Der VfL Wolfsburg geht nicht nur ohne seinen Kapitän ins komplizierte Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Coach Daniel Bauer zeigte sich bemerkenswert kritisch – zur Verletzungsmisere im Verein und zur Trainerdiskussion.
Daghim „hat seine Themen“
Seit dem 14. Januar hat der VfL Wolfsburg kein Pflichtspiel mehr gewonnen, und so richtig gut stehen die Chancen auf dem Papier auch an diesem Sonntag in Stuttgart (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) nicht.
Trainer Daniel Bauer warnte in der Pressekonferenz am Freitag vor einer „unfassbar starken Achse“ des Europa-League-Achtelfinalisten, der VfB sei eine „brutal intensive“ Mannschaft. Allerdings seien die Stuttgarter „ein Stück weit anfällig bei Kontern“.
Davon profitieren könnte etwa der mit 35,94 km/h schnellste Wolfsburger im Kader. „Adam Daghim hat einen brutal guten Impact auf unser Spiel“, lobte Bauer. „Er hätte gegen Dortmund zwei, drei Assists haben können, wenn Mo (Mohammed Amoura, Anm. d. Red.) an dem Tag Zielwasser getrunken gehabt hätte.“ Dann schränkte der Coach mit Blick auf Daghim ein: „Trotzdem hat er seine ein, zwei Themen, bei denen wir den nächsten Schritt von ihm brauchen.“
Neben Arnold verletzten sich Paredes und Pervan
Das betrifft angesichts von zuletzt sechs Bundesliga-Partien in Serie ohne Sieg allerdings weit mehr Spieler als nur den dänischen Stürmer. Bauer hofft laut eigener Aussage, dass seine „Schülermannschaft“-Kritik den einen oder anderen an der Ehre gepackt hat.
Auf eine Frage nach seiner persönlichen Zukunft im Amt konterte der 43-Jährige: „Warum ist es denn normal, wenn alle drei Monate in Wolfsburg der Trainer in der Kritik steht?“ Er habe „sehr prominente und gute Vorgänger“ gehabt und „wehre mich dagegen, dass das einfach so normal ist“. Mit einem weiteren Satz lenkte er den Fokus kritisch in andere Richtungen: „Vielleicht kann man auch andere Dinge ändern, bevor es immer als erstes Opfer den Trainer trifft.“
Auch die Verletzungsmisere stößt Bauer auf. Neben den Langzeitverletzten muss er in Stuttgart kurzfristig auch auf Ersatztorwart Pavao Pervan (Sprunggelenksverletzung) sowie Kevin Paredes (Muskelverletzung) verzichten. Dazu kommt die vielleicht wichtigste Personalie.
Denn auch Kapitän Maximilian Arnold (Probleme im Adduktoren- und Leistenbereich) wird fehlen – womöglich sogar über das Wochenende hinaus. „Wir können gar keine genaue Prognose abgeben. Wir haben gehofft, dass es diese Woche schon reicht“, sagte Bauer.
Es handle sich um „keine klare strukturelle Verletzung“, aber Arnold habe sich „in den vergangenen Wochen ein Stück weit geopfert. Jetzt ist es nicht mehr tolerierbar für ihn.“
Eine Nachfrage zur Häufung an Muskelverletzungen moderierte Bauer keineswegs ab: „Die Frage ist total berechtigt. Ich muss keinen Hehl daraus machen, dass man darüber als Trainer nicht wirklich happy ist.“ Man spreche intern darüber und versuche Muster zu erkennen. Am Ende müssten die Körper der Profis „die Belastung dauerhaft tolerieren. Wir haben aktuell zu viele Spieler im Kader, wo der Körper das aktuell nicht kann.“
