Glücklich, weil überhaupt dabei. Unglücklich, weil wenig gespielt. Yuito Suzuki schaut mit gemischten Gefühlen auf die WM mit Japan zurück. Mit neuer Energie, neuen Landsleuten und großen Zielen startet er in sein zweites Jahr beim SC Freiburg.
Was der Freiburger über die WM denkt
Aus Freiburgs Trainingslager in Schruns berichtet Moritz Kreilinger
Die Anlaufschwierigkeiten sind in der Retrospektive nicht die Rede wert. Auch wenn Yuito Suzuki von einer „großen Herausforderung“ spricht, die er bei der Eingewöhnung in Freiburg und der Bundesliga meistern muss, ist ein Jahr später festzuhalten: Der Japaner meisterte diese mit Bravour und half schon in der ersten Saison nach seinem Wechsel von Bröndby IF tatkräftig mit, dass der SC in zwei Wettbewerben lange von einem Titel träumen durfte.
Ausgerechnet in Istanbul, im Endspiel der Europa League, musste der 24-Jährige das 0:3 gegen Aston Villa tatenlos von Außen betrachten. Am 32. Spieltag hatte ein Schlüsseleinbruch seiner Saison ein vorzeitiges Ende gesetzt. „Natürlich wollte ich dort unbedingt spielen. Aber so ist das im Fußball“, sagt der Japaner knapp zwei Monate später recht nüchtern. Den ersten Höhepunkt des Sommers hatte der Japaner damit verpasst – der zweite stand auf der Kippe. „Nach der Verletzung habe ich direkt versucht, mich auf die Weltmeisterschaft zu konzentrieren. Ich habe es geschafft, ich habe zwar nur elf Minuten gespielt, aber ich habe es geschafft. Darüber war ich sehr froh.“
Drei Spiele nur auf der Bank
Dieses WM-Fazit, mit dem Blickwinkel aus der Verletzung heraus, ist aber nicht ganz vollständig. Denn unabhängig von seiner Schlüsselbein-Fraktur hatte sich Suzuki mehr von der WM erhofft als die elf Spielminuten in der Schlussphase des Gruppenspiels gegen Tunesien (4:0). Die Partien gegen die Niederlande (2:2), Schweden (1:1) sowie das Aus im Sechzehntelfinale gegen Brasilien (1:2) verfolgte Suzuki nur von der Bank.
„Ich war in diesem Moment schon ein bisschen sauer“, gesteht er einige Wochen später im Freiburger Trainingslager. „Aber mit etwas Abstand habe ich daraus Kraft und Energie für die nächste Saison geschöpft. Die WM war schon ein außergewöhnliches Erlebnis.“ Längst gilt der volle Fokus wieder dem Tagesgeschäft in Freiburg – wo er künftig die neue Erfahrung machen darf, in Europa mit mehreren Japanern zusammenzuspielen.
Die offene Rechnung in Istanbul
Dafür muss aber ohne seinen in vielen Momenten des letzten Jahres kongenialen Partner Johan Manzambi auskommen, der künftig für Aston Villa in der Premier League brillieren darf. „Das ist natürlich schade, wir haben uns auf dem Platz sehr gut ergänzt und verstanden“, erklärt Suzuki und blickt nach vorn: „Niemand muss ihn ersetzen oder auf Krampf versuchen, der nächste Johan zu sein. Es kann auch mit ganz anderen Spielertypen gut funktionieren – und darauf freue ich mich.“
Und im Idealfall hält diese Freude bis zum 2. Juni an. An diesem Tag findet das Finale der Conference League statt. In Istanbul, dem Ort, an dem Suzuki eine Rechnung begleichen will: „Natürlich wollten wir diesen Titel holen. Aber wir versuchen es einfach erneut.“
