Die aktuelle Länderspielpause verläuft für Miro Muheim ganz und gar anders als normal. Hamburgs Linksverteidiger ist nicht wie üblich bei der Schweizer Nationalelf, sondern hat die vergangene Woche genutzt, um seinen körperlichen Rückstand aufzuholen – denn beim HSV ist er auf seiner Position aktuell nur die Nummer 3.
Kein Länderspieleinsatz, kein Stammplatz – und eine neue Rolle?
Schon der Sommer verlief für Miro Muheim ganz und gar anders als geplant. Mit einer starken WM wollte sich der Schweizer in den Blickpunkt spielen, hoffte ein Jahr vor Vertragsende in der Hansestadt auf attraktive Angebote. Doch weil Muheim während der Endrunde nur Defensiv-Joker der Eidgenossen war, blieben diese aus. Schlimmer noch: In seiner Abwesenheit spielte sich Youngster Louis Lemke (16) in den Vordergrund, am letzten Tag der Transferperiode wurde mit David Möller Wolfe ein weiterer Konkurrent geholt – während Muheim nach verspätetem Vorbereitungsstart an einer Muskelblessur laborierte.
Links ist der Schweizer aktuell die Nummer 3
Die Hierarchie auf der linken Seite ist zu diesem frühen Zeitpunkt nicht in Stein gemeißelt, hat sich aber vorerst herauskristallisiert. Der norwegische WM-Teilnehmer Wolfe ist die Nummer 1, Top-Talent Lemke soll dahinter behutsam aufgebaut werden. Und Muheim muss sich nach dem nicht zustande gekommenen Sommer-Wechsel vorerst hinten anstellen, gehörte zuletzt gegen Köln (2:1) nicht zum Kader, obwohl er wieder genesen war.
Die erste Phase der Länderspielpause nutzte der langjährige Eckpfeiler, um nach WM-Teilnahme, Sonderurlaub und Muskelblessur körperlich aufzuholen. „Jetzt“, sagte Co-Trainer Loic Favé zu Beginn der vergangenen Woche, „beginnt sein Start. Dass Miro ein paar Wochen braucht, um auf sein Fitness-Level zu kommen, war und ist uns allen völlig klar.“
„Es war nicht so einfach für mich, mich auf Fußball zu konzentrieren.“ (Miro Muheim)
Muheim hat den rund um seine Person turbulenten Sommer natürlich verfolgt und eingeräumt: „Es war nicht so einfach für mich, mich auf Fußball zu konzentrieren, weil es viel Berichterstattung und viele Spekulationen gab. Und dann kam auch noch eine Verletzung zum ungünstigsten Zeitpunkt dazu.“ Aber: Wollte er weg oder sollte er von Vereinsseite aus gehen?
Der linke Schienenspieler erklärt: „Ich bin hier, weil ich hier sein will.“ Und er beteuert auch, vom HSV Rückendeckung verspüren: „Der Verein will mich hier haben, das wurde mir auch gesagt. Ich nehme den Konkurrenzkampf an und freue mich, bald wieder auf dem Platz zu stehen.“
Den Konkurrenzkampf anzunehmen, bedeutet für den lange gesetzten Profi auch, flexibel zu sein. Er will sich nicht ausschließlich auf die linke defensive Außenbahn reduziert sehen, sondern nennt auch die linke Position in der Dreierkette als eine Möglichkeit. „Ich kann diese Rolle spielen, habe sie auch schonmal gespielt.“ Ex-Trainer Steffen Baumgart hatte ihn dort zu Beginn der Spielzeit 2024/25 aufgeboten, nach der Inthronisierung von Merlin Polzin und der vorläufigen Rückkehr zur Viererkette, verteidigte Muheim wieder außen.
Seit dem Bundesliga-Aufstieg lässt auch Polzin den HSV mit einer Dreierkette verteidigen. Und in dieser sieht Muheim eine Perspektive, um den Konkurrenzkampf nach der Länderspielpause aufzunehmen.
