Durch das Abbrennen von Pyrotechnik gab es beim Frankfurter Heimspiel gegen Stuttgart drei Verletzte. Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann warnt die Fans nun vor „einer Eskalation der Verschärfung von Maßnahmen“.
Eintracht-Vorstand fordert Umdenken
Trotz Strafzahlungen in Millionenhöhe wurde das Abbrennen von Pyrotechnik bei Eintracht Frankfurt jahrelang toleriert. Die Klubführung ließ die UItras und die übrige aktive Fanszene an der langen Leine und drückte bei Grenzüberschreitungen auch mal beide Augen zu. Die viele Male übertretene rote Linie lautete: Pyrotechnik darf die Hand nicht verlassen. Schon nach den Ausschreitungen 2018 in Rom warf der kicker die Frage auf: Ist die Laissez-faire-Politik der Klub-Verantwortlichen im Umgang mit den Ultras gescheitert? Bis heute lebt die Gruppe mit ihren subventionierten Tickets und Sonderrechten im Schlaraffenland.
Rational betrachtet war es immer nur eine Frage der Zeit, bis es Verletzte gibt. Bei der Pyro-Eskalation im jüngsten Heimspiel gegen Stuttgart wurden drei eigene Fans verletzt, unter anderem erlitt eine Frau schwere Verbrennungen durch einen Bengalo. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der für Fanangelegenheiten zuständige Vorstand Philipp Reschke hatte nach dem Spiel gesagt: „Wer in so einem Ausmaß Raketen in die Luft schießt, hat den Verstand verloren.“
„Das war schon immer kriminell“
Die Vorkommnisse gegen Stuttgart führten im Vorstand zu einem Umdenken. Das hatte Reschke bereits vor einigen Wochen bekräftigt, nun legt Vorstandssprecher Axel Hellmann in einem Interview mit der FAZ noch einmal nach. „Böller werfen oder Raketen abfeuern, das war schon immer kriminell. Ich bin aber davon ausgegangen, dass diejenigen, die eine Pyrofackel in der Hand halten, da mit einer gewissen pyrotechnischen Erfahrung am Werk sind. Dahinter muss ich jetzt ein großes Fragezeichen setzen nach allem, was wir erlebt haben“, sagt der Jurist.
Er schlussfolgert: „Es geht eben nicht mehr nur um alles, was die Hand verlässt. Wir müssen Pyrotechnik bei uns grundsätzlich infrage stellen, und das wird andere Maßnahmen erforderlich machen als in der Vergangenheit, denn wir werden uns hier nicht sehenden Auges in die Haftung begeben.“ Welche Maßnahmen der Klub im Detail ergreifen wird, ist bisher nicht bekannt. „Im Laufe des Sommers wird es aber ganz sicher Maßnahmenentscheidungen geben, die dann auch öffentlich bekannt werden“, kündigt Hellmann an.
Weiter führt der Vorstand aus: „Es gibt Gesetze, und es gab bislang Grauzonen, die nun schlagartig schwarz-weiß werden. Ich habe nicht die Naivität zu glauben, dass es keine Pyrofackeln im Stadion mehr geben wird. Aber jetzt muss man wissen: Derjenige, der das macht, der spielt mit einer Eskalation der Verschärfung von Maßnahmen. Ich weiß nicht, ob das im Interesse der aktiven Fanszene ist. Es ist jedenfalls nicht im Interesse eines Vorstands, der in der Situation ist, dafür haften zu müssen.“
„Auch ein Fort Knox wird nicht die Sicherheit bringen“
Es werde gerade geprüft, wo die juristische Verantwortung anfange und wo sie aufhöre. „Alle Rechtsexperten sagen uns: Wenn wir weiter einfach darauf vertrauen, dass wieder nichts passiert, und die Sicherheitsmaßnahmen nicht effizient erhöhen, dann sind wir in der Organhaftung. Das trifft in erster Linie den Veranstalter. Dann den Vorstand, aber auch den Aufsichtsrat. Wir können die Augen davor nicht verschließen, dass Pyrotechnik Menschen konkret gefährdet“, betont Hellmann.
Der 54-Jährige, selbst ein Kind der Kurve, appelliert zugleich an die Einsicht in der Fanszene: „Auch ein von uns geschaffenes Fort Knox wird nicht die Sicherheit bringen, wenn diejenigen, die die Blöcke füllen, nicht von dem Bewusstsein und dem Bedürfnis getragen sind, dass das, was gegen Stuttgart passiert ist, nie wieder passieren darf. Wir brauchen das Verständnis der Menschen. Ohne diese interne Klarheit wird es nicht funktionieren.“
