„Große Enttäuschung“: Keine Mehrheit für Leverkusens Campus

Bayer Leverkusen muss weiter um den Bau seines geplanten Leistungszentrums für Profis im Nachwuchsbereich in Minheim bangen. Eine Abstimmung am Mittwoch fiel zuungunsten des Werksklubs aus.

Bayer „wird hartnäckig bleiben“

Die Mehrheit im Monheimer Stadtrat stimmte in einer geheimen Abstimmung gegen die Einleitung eines sogenannten Bauleitplanverfahrens für den „Bayer 04 Campus“. Von 45 Ratsmitgliedern votierten 25 gegen das Vorhaben, 19 dafür, ein Mitglied enthielt sich.

„Dieses Votum ist für uns eine große Enttäuschung. Nach zehn Jahren Planung, zahlreichen geprüften Standorten und schmerzhaften Anpassungen unseres Konzepts hätten wir uns die Chance gewünscht, unser Projekt ab jetzt in einem geordneten Verfahren fachlich bewerten zu lassen“, wird Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer 04, in einer Vereinsmitteilung des Bundesligisten zitiert. „Wir werden die Entscheidung der Monheimer Politik sorgfältig analysieren, und wir werden hartnäckig bleiben, das verspreche ich. Unser Ziel hat sich nicht geändert: Wir möchten und müssen langfristig die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Bayer 04 Leverkusen national und international konkurrenzfähig bleibt.“

CDU, SPD und Grüne haben die Ablehnung in der vorangegangenen Aussprache mit ökologischen Nachteilen durch den Wegfall des regionalen Grünzugs und die damit verbundene Flächenversiegelung begründet. Linke, FDP, AfD und die Peto-Partei plädierten für das Bauleitplanverfahren, um auf Grundlage der überarbeiteten Pläne für den Campus in den weiteren Austausch mit Fachleuten, Bayer 04 wie auch betroffenen Anwohnern zu gehen.

„Der Campus ist und bleibt das wichtigste Zukunftsprojekt“

„Dieses Ergebnis ist für uns natürlich sehr enttäuschend. Der Campus ist und bleibt das wichtigste Zukunftsprojekt von Bayer 04 Leverkusen. Ohne ein modernes Leistungszentrum wird es auf Dauer immer schwieriger, international wettbewerbsfähig zu bleiben“, ärgerte sich auch Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes über die Abstimmung. „Das knappe Ergebnis, aber auch die zwischenzeitliche, öffentliche Unterstützung zahlreicher lokaler Sportvereine, Unternehmen und Initiativen, bestärken uns auf unserem Weg und darin, dass viele Menschen unsere Argumente teilen.“

Bereits im November hatte der Stadtrat gegen die ursprünglichen Pläne für das Trainings- und Nachwuchszentrum gestimmt. Daraufhin überarbeitete Bayer 04 das Konzept: Statt zwölfeinhalb sind nun zehneinhalb Fußballplätze sowie mehr Grünflächen und größere Abstände zu Anwohnern vorgesehen. Der Campus soll auf einer Fläche der Bayer AG entstehen, die größter Arbeitgeber in Monheim ist. Bayer trägt die Kosten allein. Zudem sollen rund 150 neue Arbeitsplätze entstehen.

Jener Bau des neuen Leistungszentrums, für das der Bundesliga-Klub nach eigenen Angaben bisher insgesamt 70 infrage kommende Orte – auch außerhalb Monheims – sondiert hat, ist für den Werksklub dringend erforderlich. Durch den Ausbau der Autobahn 1 in direkter Nähe des Leverkusener Stadions fallen künftig dort gelegene Trainingsplätze weg – unter anderem auch für neue Parkplätze, die es laut Bundesliga-Vorgaben braucht.

 

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