Beim 2:2 in Augsburg dominiert Bayer 04 über weite Strecken eindeutig, scheitert aber an altbekannten Unzulänglichkeiten. Gefährliche Parallelen zur verkorksten Vorsaison zeichnen sich ab.
Leverkusen scheitert an altbekannten Mängeln
Rein statistisch hat sich nichts geändert. Auch in die vergangene Saison, an deren Ende ein enttäuschender 6. Platz stand, startete Bayer 04 mit nur vier Punkten aus den ersten drei Partien. Ebenfalls nach einem personellen Umbruch im Sommer – und mit denselben Mustern, die zum Fehlstart führten.
Es sind gefährliche Parallelen, die sich abzeichnen. Und die allen Beteiligten als Warnsignal dienen müssen, wurde doch das enttäuschende Abschneiden 2025/26 als Ausrutscher deklariert. Dieser wurde auch durch Trainer-Fehlgriff Erik ten Hag sowie die fehlende Entwicklung unter Nachfolger Kasper Hjulmand begründet. Doch nach drei Spieltagen ist offenkundig, dass Bayer seine alten Probleme mit dem Wechsel auf der sportlichen Kommandobrücke nicht automatisch losgeworden ist.
Bayer erlaubte sich gleich mehrere Blackouts
Auch im zweiten Auswärtsspiel leistete sich die Werkself Aussetzer, die an das 3:3 in Bremen am 2. Spieltag der Vorsaison erinnern, nach dem ten Hag gehen musste. Hatten beim 2:3 in Elversberg zweimal Kapitän Edmond Tapsoba sowie beim dritten Gegentreffer Lucas Vazquez und Loic Badé gepatzt, so erlaubte sich das Martinez-Team auch in Augsburg mehrere Blackouts, die eine Partie, die Bayer inklusive 1:0-Führung sicher im Griff hatte, zwischenzeitlich komplett kippen ließen.
Wie der eigentlich gut spielende Ezequiel Fernandez vor dem Ausgleich im Duell mit Arijon Ibrahimovic kurz abschaltete, weil er den Ball im Seitenaus wähnte, war genauso fahrlässig wie das unentschlossene Herauslaufen von Mark Flekken gegen Michael Gregoritsch, der das Zögern des Torhüters zum Tunnel nutzte.
„“Wir waren zehn Minuten nicht wach und schon laufen wir hinterher, obwohl wir das Spiel kontrolliert haben.“ (Simon Rolfes)
Es folgte nach fatalem Fehlpass von Aleix Garcia die nächste Augsburger Großchance, ehe die Werkself eine weitere altbekannte Schwäche offenbarte, die Defensivstandards: Nach einer Ecke zeigte Bayer eklatante Abstimmungsprobleme, sodass Gregoritsch am zweiten Pfosten völlig frei aus dem Stand einköpfen konnte.
Leverkusen warf den Sieg fahrlässig weg, „weil wir zehn Minuten nicht wach waren, in einer Situation haben nicht weitergespielt, als der Ball vielleicht im Aus war“, analysierte Geschäftsführer Simon Rolfes, „dann sind bei einer Ecke die Räume nicht gut besetzt, und schon laufen wir hinterher, obwohl wir das Spiel kontrolliert haben.“
Bayer fehlt die Resilienz und die Konstanz auf hohem Niveau
Bayer fehlte in dieser Phase jegliche Resilienz, mit dem 1:1 umzugehen. Augsburg besaß in den ersten elf Minuten der zweiten Hälfte fünf hochkarätige Chancen. Statt eines souveränen Siegs stand so nach Elversberg die nächste Enttäuschung zu Buche. Im dritten Spiel zeigte Bayer sein drittes Gesicht: nach dem hässlichen zum Auftakt und dem glänzenden beim 4:0 gegen Union nun ein zwiespältiges.
„Das war genau das, was wir in der letzten Saison hatten“, stellt Joker Patrik Schick fest, der filigran das 2:2 erzielte, „dieses konstante Level immer zu halten, ist momentan das, was uns fehlt.“ Seit geraumer Zeit. Spitzenmannschaften zeichnet es aus, dass sie auch ihre schwächeren Spiele gewinnen. In ihren guten gelingt es ihnen ohnehin. Bayer aber lieferte in Augsburg mindestens 70 gute Minuten ab, um trotzdem nicht zu siegen.
Ein Top-Team hätte die Partie in Bayers Schwächephase entschieden
Dass es die Werkself wie in Elversberg direkt nach der Halbzeit erwischte, ist ebenso alarmierend. Schick klingt angesichts des fehlenden Lerneffekts ratlos: „Wir haben in der Halbzeit über genau das gesprochen, was dann passiert ist. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“
Trainer Carles Martinez liegt zwar richtig, wenn er urteilt: „Wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen. Ich sehe auch viele gute Dinge, und nicht nur das Negative.“ Doch es darf keiner bei Bayer dem Trugschluss unterliegen, dass sich der Erfolg aufgrund langer ansprechender Phasen automatisch einstellen wird. Vielmehr muss jedem klar sein, dass ein Top-Team die Partie in der Leverkusener Schwächephase spätestens mit der von Ibrahimovic zunichte gemachten riesigen Konterchance in der 56. Minute bereits für sich entschieden hätte.
„Wir haben den Gegner wie in Elversberg ins Spiel geholt“, kritisiert Rolfes und fordert mehr „Konsequenz“. Deren wiederholendes Fehlen ist viel schwieriger zu korrigieren als Martinez‘ Entscheidung, den wirkungslosen Afonso Moreira als Linksaußen zu nominieren und dafür das Duo Miguel/Ibrahim Maza auseinanderzureißen. Ein Thema, das am Samstag von den alten Problemen überlagert wurde. Bayer und Martinez haben noch einen weiten Weg vor sich.
