Die englischen Wochen haben an der Substanz beim SC Freiburg gezehrt. Immerhin zu einem wichtigen Remis reicht es vor dem Showdown gegen Braga. Das ordnete auch Julian Schuster so ein.
Lienhart und Schuster loben die Moral
Die Steilvorlage am Samstag aus Frankfurt kam in dieser Ausprägung doch etwas überraschend. Trotz all der Eintracht-Probleme war mit einer 1:2-Heimniederlage gegen Kellerkind HSV nicht unbedingt zu rechnen. Doch so kam es – und eröffnete dem SC Freiburg die Riesenchance, gegen akut abstiegsgefährderte Wolfsburger für eine potenzielle Vorentscheidung im Rennen um Europacup-Platz 7 zu sorgen.
Angesichts der Restprogramme – Frankfurt spielt noch in Dortmund und gegen Stuttgart und der SC beim HSV und gegen Leipzig – nahm die ohnehin hohe Bedeutung des Spiels gegen den VfL noch einmal zu. Denn trotz des eindrucksvollen Vorpreschens ins Halbfinale beider Pokalwettbewerbe ist das große Ziel der Freiburger, auch 2026/27 international starten zu dürfen, noch längst nicht erreicht.
Diese Big-Point-Chance hat die Mannschaft von Julian Schuster aber nicht in voller Ausprägung nutzen können. Da beim Duell mit den über weite Strecken griffiger und torgefährlicheren Wölfen lange Zeit Energie und Durchschlagskraft im Angriff gefehlt und die SC-Profis schon das zwölfte Gegentor nach einer Ecke kassiert hatten – zweitschlechtester Liga-Wert nach Köln (13) -, reichte es nur zu einem 1:1. Dieses Remis bedeutet aber immerhin einen Punkt Vorsprung auf Frankfurt in der Spieltagsendabrechnung.
„Wir müssen immer um jedes Tor, um jeden Punkt kämpfen.“ (Julian Schuster)
„Der Punkt kann noch viel wert sein“, erkannte diesbezüglich am DAZN-Mikrofon auch der eingewechselte Philipp Lienhart, der in der 75. Minute nach schöner Flanke von Johan Manzambi einen anspruchsvollen Kopfball mithilfe des rechten Innenpfostens zum Punktgewinn im Wolfsburger Netz versenkt hatte. „Wir haben nicht verloren nach einem Rückstand – das war wichtig.“
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Sein Trainer Schuster sah es ähnlich: „Dieser Punkt kann am Ende sehr, sehr wichtig sein. Wir müssen immer um jedes Tor, um jeden Punkt kämpfen.“ Das würden sich er und seine Spieler auch stets immer wieder aufs Neue einreden. „Es ist schon positiv, dass wir noch einmal zurückgekommen sind.“
Die Sinne beim Sport-Club waren definitiv schon vor dem Duell mit dem VfL geschärft mitten im Rennen ums Finale der Europa League in Istanbul am 20. Mai. Selbst kurz nach der bitteren 1:2-Last-Minute-Niederlage im Halbfinal-Hinspiel bei Sporting Braga, die an den 1:2-Knock-out im DFB-Pokal in Stuttgart eine Woche zuvor erinnert hatte. Dass in diesen Monaten voller Pflichtspiele alle paar Tage der Motor etwas stottern kann, sei logisch. Schuster dazu: „Es war heute natürlich nicht unsere beste Performance, aber es ist nicht einfach.“ Diesbezüglich wagte der Coach auch einen Blick zum Rekordmeister, denn selbst bei den Münchnern sei vor lauter Glanz zuletzt ebenfalls nicht immer alles reibungslos gelaufen – mit Blick Gegentore und Rückstände in der Bundesliga wie gegen Heidenheim (3:3). „Dass da nicht alles immer läuft, ist ein Stück weit normal.“
Sorgen um Suzuki
Klar ist in dieser Angelegenheit: Die vielen englischen Wochen haben spürbar an der Substanz der Breisgauer gezehrt, diverse Profis scheinen zumindest teilweise auf dem Zahnfleisch unterwegs zu sein. Wie schon in Brags waren die Unterschiedsspieler Yuito Suzuki und Manzambi erneut lange glücklos und wenig griffig unterwegs. Während bei Suzuki wegen verletzungsbedingter Auswechslung (Schulter) zusätzliche Sorgen hinzukamen, hat sich Manzambi zum Ende des Spiels gesteigert. Aber auch der Shootingstar hatte sich in der ersten Hälfte bei einem Zweikampf ein wenig gezerrt, absolvierte dann in der Pause einen intensiven Belastungstest.
Es wird weiterhin eine Frage der Kräfte sein, ob der SC Freiburg eine schon jetzt besondere Saison krönt oder sie mit einem etwas bitteren Abgang endet. Am Donnerstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) ist gegen Braga auf jeden Fall noch alles drin – auch, weil der Sport-Club saisonübergreifend die letzten zehn Europa-League-Heimspiele allesamt gewonnen hat.
