Fabio Silva: Ein Stürmer, zwei Blickwinkel

Wenn es nur nach Toren geht, hat Fabio Silva keine gute Premieren-Saison bei Borussia Dortmund gespielt. Dafür überzeugt der Stürmer mit anderen Qualitäten.

Maue Trefferquote, daür viele Vorlagen

Vielleicht war es die Sprachbarriere, vielleicht der falsche Fuß, auf dem Stürmer auch neben dem Platz nicht gerne erwischt werden. Die Frage nach seiner Torquote auf jeden Fall gefiel Fabio Silva überhaupt nicht, als er sie Mitte März nach dem Sieg von Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV gestellt bekam. „Wir können über Tore reden, wir können aber gerne auch über Vorlagen sprechen“, kam die etwas eingeschnappte Antwort in Richtung der wartenden Journalisten. Er sei vielleicht nicht der beste Torschütze des Teams, dafür aber einer der besten Vorbereiter.

Es ist offensichtlich ein wunder Punkt, sowohl in der Saison-Bilanz des Portugiesen als auch in dessen eigener Wahrnehmung. Gerade einmal drei Treffer erzielte er in seinem ersten Jahr für Borussia Dortmund, in Kopenhagen, in Leipzig und gegen Freiburg. Für einen Stürmer – noch dazu einen, der den BVB rund 22,5 Millionen Euro Ablöse an die Wolverhampton Wanderers gekostet hat – ist das deutlich zu wenig. Und dennoch war die Spielzeit des 23-Jährigen nicht so schlecht, wie allein der Fokus auf eigene Treffer glauben lässt.

Weite Wege bis in den Strafraum

Denn, wie Silva es selbst sagt, es geht auch um Vorlagen und andere Offensiv-Aktionen. Und da zeigt sich mit einem etwas anderen Blickwinkel, welche Qualitäten er ins Dortmunder Angriffsspiel gebracht hat. In der Liga gelangen ihm sechs direkte Tor-Vorlagen, besser waren nur Julian Ryerson (15) und Maximilian Beier (8). Bemerkenswert ist insbesondere die Effizienz, denn sowohl der Norweger mit 2267 Spielminuten und der Flügelstürmer (2024) standen viel länger auf dem Platz als Silva (816), der noch mehr im Vergleich zu den auf den Plätzen 4 und 5 folgenden Karim Adeyemi (4 Vorlagen bei 1196 Spielminuten) und Julian Brandt (4 in 1605) punktet.

Es ist das Ergebnis seiner Spielweise. Statt wie Serhou Guirassy hauptsächlich im Strafraum zu lauern, geht Silva weitere Strecken, leitet im Zehnerraum ein oder weicht auch mal auf die Flügel aus, um Räume zu schaffen. Gut für die Mitspieler, aber der Weg in den Sechzehner für den eigenen Abschluss ist damit oft weit.

Die Hoffnung aufs zweite Jahr

Dennoch: Für das zweite Jahr erhoffen sich der Spieler und die Verantwortlichen einen Schritt und mehr als zehn Startelf-Einsätze in allen Wettbewerben. „Ich bin mit einer Verletzung gekommen, Klub und Stadt waren neu, das muss man alles berücksichtigen“, findet Silva: „Ich wusste, dass es im ersten Jahr so laufen würde.“ Zumal der BVB „viel Qualität im Team“ habe, „gerade vorne“. Die Gerüchte um eine schnelle Flucht seien unwahr gewesen, stellte er schon vor drei Monaten klar, jetzt will er ab Juli neu angreifen: „Ich habe für fünf Jahre unterschrieben, nicht für eins.“

 

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