Nach dem hochemotionalen Donnerstagabend wollen sich die Freiburger auf das Spiel in Hamburg konzentrieren, in dem sie schon eines ihrer Ziele für diese Saison erreichen können.
Freiburger Mittelfeldroutinier im Saisonfinale wieder gefragt
„Wir, der kleine SC Freiburg, stehen im Euro-League-Finale – ich kann das noch gar nicht begreifen.“ Das war ein viel zitierter Satz nach dem Sieg gegen Braga (3:1) im Halbfinal-Rückspiel, und er stammte von Nicolas Höfler, der sichtlich ergriffen in der Mixed Zone stand. „Hätte jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass wir die Qualität haben, in das Finale einzuziehen, hätte ich gesagt: schwer vorstellbar. Aber wir haben uns Schritt für Schritt immer weiter entwickelt, und gerade in dieser Euro-League-Saison gezeigt, dass wir eine brutale Qualität haben, dass wir brutal stabil sind – und wir sind jetzt natürlich auch hungrig auf den Pokal.“
Trotzdem sei es für ihn „ein Stück weit surreal“, so Höfler, der seit über 20 Jahren beim Sport-Club ist. Der 36-Jährige war am Donnerstagabend noch mal einer der Hauptprotagonisten. „Das war überraschend, trotzdem hatte ich die ganzen letzten Wochen und Monate dafür gearbeitet, dass ich parat bin, falls es doch so weit ist“, erklärte der Mittelfeldspieler.
Höfler: „Es hat gekribbelt, und ich war nervös“
Nach zuvor insgesamt nur 280 Einsatzminuten in dieser Saison – darunter 84 beim bislang einzigen Startelfeinsatz bei der 0:4-Niederlage Ende April in Dortmund, als mehrere Stammspieler zuhause gelassen wurden – war der Routinier im bislang wichtigsten Spiel der Saison wieder gefragt. „Es hat gekribbelt, und ich war nervös“, gab er zu. Schließlich habe ihm der Rhythmus gefehlt, und auch „die körperliche Fitness, die man sich zu großen Teilen in den Spielen holt – aber prinzipiell bin ich von mir und meinen Qualitäten überzeugt“.
Das waren auch Julian Schuster und sein Trainerteam, denn sie hätten ihn nicht aufgestellt, „wenn wir nicht die totale Überzeugung haben“. Trotz der Ausgangslage, die Partie gegen Braga gewinnen zu müssen, war es „wichtig, Kontrolle und Disziplin zu wahren – Chicco bringt das auf natürliche Art und Weise mit, hat nicht den Drang, selbst noch in die Box nachzuschieben“, wusste der SC-Coach. Durch den Ausfall von Yuito Suzuki (Schlüsselbeinbruch) sollte Johan Manzambi auf die Position hinter Stürmer Igor Matanovic vorrücken, und nach dem Saison-Aus von Patrick Osterhage (Knie-OP) war deshalb „Chicco“ Höfler plötzlich wieder erste Wahl als Nebenmann von Dauerbrenner Maximilian Eggestein.
„Sie haben mit tollen Leistungen sich und die Mannschaft belohnt“, sagte Schuster über Höfler und auch über einen weiteren Routinier, der sogar zum Matchwinner wurde: der 33-jährige Lukas Kübler, der mit einem Doppelpack zum Sieg beitrug. Er hatte zuletzt, auch wegen einer Knieverletzung, nicht so oft gespielt. „Zweikämpfe und Energie, die er gut kontrollieren kann, weil er die Erfahrung hat und weiß, in welchen Zweikämpfen es knallen kann, plus seine Stärke bei Standards, defensiv und offensiv“ hätten für den Rechtsverteidiger gesprochen, erklärte sein Trainer.
Für Freiburg winkt Platz sieben
Nach dem kollektiven Freudentaumel am Donnerstag wartet aber nun aber noch die Schlussphase in der Liga. „Für uns geht’s noch um sehr viel, deswegen sind die zwei Spiele jetzt brutal wichtig“, sagte Kübler. Nach der Niederlage von Frankfurt in Dortmund am Freitag ist klar, dass der Sport-Club mit einem Sieg im Auswärtsspiel beim Hamburger SV (Sonntag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) schon Platz 7 und damit eine weitere europäische Saison sichern kann.
Für Schuster geht es in Hamburg und danach zu Hause gegen Leipzig aber nicht nur darum, sondern auch schon um das Finale gegen Aston Villa, „dass wir im Fluss bleiben und nichts liegen lassen“. Noch gebe es auch international einen Schritt zu gehen: „Wenn man ein Finale spielt, müssen wir alles dafür tun, dieses auch zu gewinnen. Und was dafür notwendig ist, und das ist das Herausfordende und Anspruchsvolle in diesen Momenten und Tagen, jetzt auch alles für Hamburg zu tun – diesen Spagat müssen wir hinbekommen.“
Dass der HSV seit dem vergangenen Wochenende den Klassenerhalt sicher hat, freut den 41-Jährigen: „Der HSV ist eine große Bereicherung für die Bundesliga: der Verein, die Stadt und für mich persönlich auch dieses Stadion.“ Wie am Donnerstagabend im Europa-Park-Stadion hat Schuster auch im Volksparkstadion schon mit den Fans in der Kurve gefeiert, 2022 beim DFB-Pokal-Finaleinzug, als er noch Verbindungstrainer der Freiburger war.
Jetzt ist er in seiner zweiten Cheftrainersaison gefordert, seine Mannschaft auf das erste internationale Finale vorzubereiten, nach einem für den Verein ungewohnten Mammutprogramm in dieser Saison. „Wie anspruchsvoll es ist, dann Wochenende für Wochenende die Leistung wieder abzurufen, zeigt gerade auch der Meister, Bayern München – dann ist es für uns nochmal anspruchsvoller“, betonte Schuster.
