Als der Aufstieg in der vergangenen Saison wackelte, übernahm Thomas Kessler erst als Sportdirektor, später als Geschäftsführer Sport. Ein Jahr später ist der Klassenerhalt quasi in der Tasche. Der Ex-Profi blickt positiv zurück und spricht über die Kaderplanung für die kommende Saison
Gelassenheit rund um El Mala
Es war ein turbulentes erstes Jahr als sportlicher Verantwortlicher in Köln für Thomas Kessler. Am 5. Mai übernahm er zunächst übergangsweise den Job als Sportdirektor, stieg rund zwei Wochen darauf mit dem FC in die Bundesliga auf und bekam die Rolle fest anvertraut. Am 22. Januar folgte die Beförderung zum Geschäftsführer Sport.
Doch auf den Tag genau zwei Monate später korrigierte Kessler seine erste große Entscheidung in sportlicher Verantwortung infolge einer Ergebniskrise selbst, indem er den erst im Sommer verpflichteten Lukas Kwasniok als Trainer freistellte – verbunden mit der durchaus mutigen Wahl auf den unerfahrenen René Wagner als Interimslösung. Zwei Spieltage vor dem Ende hat der FC den Klassenerhalt zu 99 Prozent in der Tasche – und Kessler seinen Auftrag damit quasi erreicht.
„Gerüst“ statt „One-Man-Show“
Neben sportlichen Zielen galt es für Kessler auch, interne Dinge nach seinen Vorstellungen anzupassen. „Es ging natürlich darum, dass ein gewisses Gerüst stehen muss in einem Umfeld, in dem ich gern arbeiten möchte. Das sind oft Entscheidungen, die kannst du nicht in einer oder zwei Wochen treffen“, erklärte Kessler. Über ein Jahr hinweg jedoch schon. „Es wurde das eine oder andere Personal getauscht, wir haben den einen oder anderen dazugenommen oder auch manche Arbeitstitel verändert.“
Dem Sport-Geschäftsführer ist wichtig, dass es in Köln keine „One-Man-Show“ mit ihm ist. „Ich bin darauf angewiesen, extrem gute Mitarbeiter um mich herum zu haben, die jeden Tag mit einer großen Ambition herkommen und den 1. FC Köln einen Schritt voranbringen wollen.“ Auch von seinen Kollegen, die in der Hierarchie unter ihm stehen, verlangt Kessler daher, dass sie Entscheidungen treffen, um erfolgreich zu sein. „Das geht über Direktoren, die für ihre Bereiche verantwortlich sind, bis hin zum Cheftrainer. Und da sind wir auf jeden Fall einen deutlichen Schritt weiter in meiner Welt als letztes Jahr.“
Drei Abgänge stehen fest, zwei Leihspieler bleiben sicher
Ein Beispiel ist Tim Steidten, den der FC im März als auch auf Kesslers Wunsch als „starken Mann“ für die Aufgabe des Direktors Kaderplanung und Recruitment hinzuzog. „Da ist natürlich Scouting ein großes Thema, das er sich jetzt ein paar Wochen lang intensiv angeschaut hat. Da sind auch die ersten Entscheidungen gefällt worden, und jetzt geht es eben ans Eingemachte“, erläuterte Kessler. Denn nun kann der FC die personellen Ideen für die 2. Liga wohl in die Schublade stecken und einen Kader für die Bundesliga-Saison 2026/27 planen.
Bei jener Kaderplanung wird natürlich auch Kessler wieder ein großes Wort mitzureden haben. Fest steht bislang, dass der bereits geliehene Tom Krauß bei Klassenerhalt fest per Kaufverpflichtung aus Mainz in die Domstadt wechselt. Genauso wie die Wolfsburger Leihgabe Jakub Kaminski, dessen Kaufoption für 5,5 Millionen Euro gezogen wird. Außerdem beendet Florian Kainz seine Karriere, Dominique Heintz und Luca Kilian verlassen im Sommer nach Ablauf ihres Vertrags den Klub. Für das Trio gibt es am Sonntag im Rahmen des Heimspiels gegen Heidenheim eine Verabschiedung.
Aktuell keine schnelle Entscheidung bei El Mala nötig
Bei allen weiteren Personalien blieb Kessler vage. Für Said El Mala „gibt es nichts, das bei uns auf dem Tisch liegt, das eine schnelle Entscheidung benötigt“, sagte der Ex-Torwart etwa. „In der Situation um Said sind wir als Verein entspannt. Ich bin froh, dass er unser Spieler ist und total glücklich, wie er als Mensch mit dieser ganzen Situation umgeht.“
Auch zu Eric Martel gebe es „noch keinen neuen Stand“. Der Vertrag des Sechsers läuft im Sommer aus, der Vertragspoker dauert nun bereits fast ein Jahr an. „Wir sind da im Austausch und ich denke, da wird es zeitnah eine Entscheidung geben.“ Die wird auch bei Timo Hübers zeitnah folgen, allerdings im Gegensatz zu Martel mit klaren Vorzeichen. Der am Knie verletzte Innenverteidiger soll zeitnah seinen neuen Vertrag unterschreiben.
