Auch das Torwartspiel und Standardvarianten, um den Keeper zu behindern, wurden bei der aktuellen DFB-Regelschulung thematisiert. Mit einem klaren Urteil zum aberkannten deutschen Tor bei der WM – das im Widerspruch zur FIFA-Meinung steht.
Widerspruch zur FIFA-Meinung
Die WM 2026 ist längst Geschichte und der Bundestrainer heißt inzwischen Jürgen Klopp. Eine Szene im verlorenen Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat dabei vermutlich eine Rolle gespielt. Beim Stand von 1:1 in der Verlängerung köpfte Jonathan Tah das vermeintliche Führungstor für die DFB-Elf, das der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed nach VAR-Eingriff allerdings aberkannte, weil er ein recht zaghaftes Eingreifen von Waldemar Anton gegen Paraguays Torhüter Orlando Gill als Foul wertete.
Der damalige DFB-Coach Julian Nagelsmann sprach in Bezug auf diese Szene von einem „Vollskandal“ – und räumte einige Tage später seinen Posten. Die FIFA in Person von Schiri-Boss Pierluigi Collina hatte die Entscheidung doch verteidigt – ohne die Szene explizit zu nennen.
Bei der diesjährigen Regelschulung für Medien am DFB-Campus hat sich an diesem Dienstag auch die DFB-Schiri GmbH positioniert – und zwar so, wie es die meisten Schiri-Experten schon direkt nach dem Paraguay-Spiel getan hatten. „Aus unserer Sicht war die Torerzielung korrekt“, erklärte Alex Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit. Das Agieren von Anton in unmittelbarer Nähe zum gegnerischen Torhüter sei „zu wenig“ für ein Foulspiel gewesen. Vor allem aber zu wenig für einen nachträglichen VAR-Eingriff, da Jayed den Treffer ja auf dem Feld zunächst anerkannt hatte.
Bald viele vergleichbare Szenen?
In der Bundesliga würde ein vergleichbarer Fall also wohl nicht zur Tor-Aberkennung führen, wobei bei solchen Zweikämpfen keine schwarz-weiß-Grenzen gezogen werden können und gerade eine Feld-Entscheidung des Schiedsrichters durch eine betont hohe VAR-Eingriffsschwelle geschützt werden soll.
Die Auslegungsvorgaben zum „Torwartspiel“ stellte am Dienstag in Frankfurt FIFA-Referee Daniel Siebert vor, der das jüngste Champions-League-Finale geleitet hatte. Dazu heißt es in den DFB-Guidelines:
„Grundsätzlich darf jeder Spieler seine Position auf dem Feld frei wählen. Ein Foulspiel liegt vor, wenn der Angreifer:- gegen die Arme des Torhüters agiert und ihm so die Möglichkeit nimmt, den Ball spielen/fangen zu können.- sich aktiv in den Torhüter hineinbewegt und ihn so daran hindert, den Ball spielen zu können.Kein Foulspiel liegt vor, wenn sich ein Angreifer und ein Torhüter in einen freien Raum bewegen, um den Ball zu erreichen/spielen.“
Man darf gespannt sein, wie es in der Praxis in der Bundesliga läuft. An betreffenden Szenen dürfte es durch die Standard-Strategien vieler Mannschaften jedenfalls nicht mangeln.
