Nicht nur wegen seiner abermaligen Knieverletzung liegt hinter Kaua Santos ein schwieriges Jahr. Trotzdem soll der Keeper bei Eintracht Frankfurt als Nummer 1 in die neue Saison gehen. Das erscheint riskant.
Unruhiges Jahr im Eintracht-Tor
Die Partie gegen Freiburg am 1. März 2026 ist gerade einmal 16 Sekunden alt, als Kaua Santos aus dem Tor stürmt und bei einer Klärungsaktion mit Igor Matanovic zusammenprallt. Innenbandverletzung im rechten Knie, das Saison-Aus. Erst danach, im Test beim SV Sandhausen, kehrt der Brasilianer für 45 Minuten zwischen die Pfosten zurück.
Hinter Kaus Santos liegt ein Jahr zum Vergessen. Bereits am 17. April 2025 reißt das hintere Kreuzband im rechten Knie. Der Torhüter kommt um eine Operation herum, erlebt seither aber eine sportliche Achterbahnfahrt: Nach seinem Comeback im September 2025 agiert er so unsicher, dass er seinen Platz bis zur Winterpause wieder an Konkurrent Michael Zetterer verliert. Im neuen Jahr zeigt er bis zu seiner abermaligen Knieverletzung durchwachsene Leistungen.
Trotz besserer Noten: Zetterer nur Mittelmaß
Zetterer hält solide, ist wettbewerbsübergreifend mit einem kicker-Notenschnitt von 3,36 aber bestenfalls Mittelmaß. Vor allem bei hohen Bällen klebt er zu sehr auf der Linie. In Kaua Santos schlummert das größere Potenzial, doch der Notenschnitt des 23-Jährigen beträgt 4,07 – alarmierend.
Trotzdem plant die Eintracht für die neue Saison mit Kaua Santos als Nummer 1 im Tor. Ein Wagnis mit ungewissem Ausgang. Schon 2024/25, in seiner ersten Profi-Saison, wandelt der Keeper zwischen Genie und Wahnsinn, Weltklasse und Kreisklasse. Famose Paraden und ein selbstbewusstes Auftreten beim Herauslaufen einerseits, Slapstick-Aktionen und die Neigung zu Leichtsinnsfehlern andererseits.
Nach den Verletzungen sorgt auch die Gesundheit des Torhüters für eine Portion Ungewissheit. Ist das Knie stabil genug, um eine ganze Saison zu absolvieren? Klar ist: Kaua Santos wird mit dem Start in die Vorbereitung seinen neuen Trainer Adi Hütter restlos überzeugen müssen. Der Österreicher wird sich kaum auf ein Vabanquespiel einlassen.
Das Dilemma im Tor bleibt bestehen
Zur Erinnerung: Als Hütter 2018 erstmals Frankfurt übernimmt, soll Frederik Rönnow die Nachfolge des zu Leverkusen gewechselten Lukas Hradecky antreten. Rönnow steht in den ersten drei Pflichtspielen im Tor, dann holt die Eintracht Kevin Trapp aus Paris zurück. Ein Schlüsseltransfer, der die ursprüngliche Torwartplanung über den Haufen wirft.
Zetterer wird seinen sieben Jahre jüngeren Konkurrenten wohl kein weiteres Mal den Platz streitig machen. In Frankfurt heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass der 30-Jährige den Klub schon nach einer Saison wieder verlassen könnte. Das Dilemma wäre damit nicht aufgelöst: Es müsste ein neuer Torwart kommen, der sich mit der Bank-Rolle arrangieren kann, aber auch stark genug ist, einen eventuell schwächelnden oder verletzten Kaua Santos über einen längeren Zeitraum zu vertreten.
