Gegen Augsburg verursachte Montrell Culbreath den Strafstoß zum 1:2-Endstand. Statt Vorwürfen gab es nach dem Abpfiff Trost von den Kollegen für den aufstrebenden U-19-Akteur. Auch von Englands Nationalspieler Jarell Quansah, der die Situation bestens nachfühlen kann.
18-jähriges Bayer-Talent verschuldet Strafstoß
Es war die spielentscheidende Situation. Eine, die unter dem Etikett „Lehrgeld zahlen“ zu verbuchen war. In der siebten Minute der Nachspielzeit brachte Montrell Culbreath am rechten Strafraumeck Augsburgs Uchenna Ogundu zu Fall. Ein klares Foul. Der Strafstoß für den FCA, den Fabian Rieder zum 1:2-Endstand verwandelte, war die logische Folge.
Der erste Tiefschlag für den 18-Jährigen in seiner noch so jungen Profi-Karriere, in der er kurz vor Weihnachten beim 3:1-Sieg in Leipzig bei seinem Debüt direkt getroffen und seitdem zu regelmäßigen Einsätzen (elf Pflichtspiele, fünf von Beginn an) kommt. Jetzt nahm das erste Negativerlebnis den U-19-Akteur ganz schön mit.
Culbreath war am Boden zerstört, kämpfte nach dem Schlusspfiff mit den Tränen und versteckte sein Gesicht unter seinem Trikot. Der rechte Flügelspieler war untröstlich, obwohl ihm keiner einen Vorwurf machte für den übereifrigen Einsatz. Vielmehr fanden Mitspieler und Verantwortliche warme Worte für das Talent.
„Ich habe in meiner Karriere auch schon viele solcher Momente erlebt. Ich bin noch jung, und es passiert so leicht, dass man den Kopf hängen lässt und sich entmutigen lässt“, erklärte Jarell Quansah nachher, „aber solche Dinge passieren eben. Es ist, wie es ist. Ich habe ihm nur gesagt, dass er den Kopf hochhalten muss, und alles wird gut.“
Quansah unterlief ein ähnliches Missgeschick im Mai unter Slot
Der englische Nationalspieler weiß, wovon er spricht und welche Rolle die Erfahrung in solchen Situationen zählt. „Es gibt viele clevere Stürmer in der Bundesliga, und bei jedem noch so kleinen Kontakt geht man heutzutage zu Boden und bekommt einen Elfmeter“, sagt der 23-Jährige, der in der Tat solche Lehrstunden selbst erleben musste.
Zuletzt noch im Mai vergangenen Jahres, als er bei der 1:3-Niederlage mit dem FC Liverpool beim FC Chelsea einen Strafstoß verursachte, nach dem LFC-Trainer Arne Slot damals erklärte: „Vielleicht ist das der letzte Schritt, den Jarell noch gehen muss, nicht in einen solchen Moment verwickelt zu werden, was in der letzten Minute passierte“ – als Quansah die Blues beschenkte wie jetzt Culbreath die Augsburger.
„Solche Situationen sind auch gestandenen Spielern schon passiert und ärgern einen, aber das darf ihn nicht aus der Bahn werfen.“ (Simon Rolfes)
Auch Geschäftsführer Simon Rolfes weiß, „dass auch solche Situationen in der Profikarriere mal vorkommen“, und betonte: „Montrell spielt eine hervorragende Saison und solche Situationen sind auch gestandenen Spielern schon passiert und ärgern einen, aber das darf ihn nicht aus der Bahn werfen.“
Interessant wird es jetzt, wie Trainer Kasper Hjulmand mit dem von ihm geförderten Talent umgeht. Gegen Augsburg hatte der Däne den Teenager anfangs auf der Bank gelassen und Routinier Lucas Vazquez beginnen lassen, den Culbreath dann nach 65 Minuten ablöste. Doch wie besetzt der Trainer am Mittwoch gegen die Bayern im Pokal-Halbfinale die rechte Seite?
Vazquez ist gegen die Bayern rechts nicht die Idealbesetzung
Der spielstarke Routinier Vazquez (34) dürfte gegen die Münchner aufgrund seiner Schnelligkeitsdefizite auf der rechten Defensivseite nicht die ideale Besetzung darstellen. Culbreath, deutlich flinker unterwegs, könnte dort prinzipiell mit seinem Speed gegen Bayerns schnelle Außen dagegenhalten.
Lässt Hjulmand also Culbreath nach seinem Fehltritt weder in der Startelf ran? Es wäre eine Art Vertrauensbeweis für den Youngster, dem dann nicht länger Zeit bliebe, weiter über seinen Fehler zu grübeln. Oder entscheidet er sich für Flügelspieler Ernest Poku, der im Herbst beim 2:0-Sieg bei Manchester City als Rechtsverteidiger gegen Jeremy Doku eine starke Partie machte?
„Solche Fehler passieren auch Spielern, die 30 Jahre alt sind.“ (Kasper Hjulmand)
Hjulmand jedenfalls spricht nur positiv über Culbreath und relativiert dessen Fehler. „Er ist 18 Jahre alt, er muss daraus etwas lernen. Solche Situationen passieren auch Spielern, die 30 Jahre alt sind“, sagte der Trainer, „er macht sehr viele Schritte nach vorne.“ Bleibt abzuwarten, welchen Umgang mit Culbreath der frühere dänische Nationaltrainer nach dessen ersten kleinen Rückschlag für richtig hält.
