Zur Halbzeit war am Sonntag der Sprung auf Rang 15 zwischenzeitlich erreicht und insgesamt greifbar, die 1:0-Pausenführung aber konnte der FC St. Pauli nicht ins Ziel retten. Alexander Blessin sah den Grund für die 1:2-Niederlage gegen Freiburg zunächst beim Schiedsrichter, ruderte aber später zurück.
St. Paulis Trainer ehrlich: „Meine Aussage auf DAZN war nicht so clever“
Das Spiel war St. Pauli schon mit Beginn der zweiten Hälfte komplett entglitten, der Ärger von Alexander Blessin aber erzürnte sich vor allem an der Entstehung des zweiten Gegentreffers. Schon bevor Hauke Wahl an der rechten Außenlinie im Duell mit Derry Scherhant zu Boden ging, hatte es tief in der gegnerischen Hälfte nacheinander drei Situationen gegeben, in denen die Breisgauer hart, aber nach Ansicht von Schiedsrichter Florian Badstübner regelkonform zu Werke gegangen waren. Für den Trainer reichte diese Situation, um sich unmittelbar nach Abpfiff am DAZN-Mikrofon zu dieser Aussage hinreißen zu lassen: „Der Grund heute war, dass wir gegen zwölf Mann gespielt haben.“
„Die Aussagen kamen aus der Emotion heraus“
Ein Frontalangriff auf Badstübner („Wenn er mir Gelb gibt und mich dabei höhnisch anlächelt, dann finde ich das respektlos“), den er nach einer rund halbstündigen Phase der Abkühlung auf der Pressekonferenz zurücknahm. „Die Aussagen, die ich auf DAZN getätigt habe, waren nicht so clever.“ Seine Erklärung: „Die kamen aus der Emotion heraus. Und die Gelbe Karte habe ich verdient.“
Muskelkater vom intensiven Zurückrudern könnte Blessin am morgigen Montag ereilen, seine Reaktion auf die Überreaktion indes verdient Respekt. Gleichwohl bleibt er in einer Sache bei seiner Grundsatzhaltung: „Wir können beide Gegentreffer besser verteidigen, dennoch sind es vor dem zweiten Tor kleine Details und in Summe Entscheidungen, die gegen uns getroffen werden. Und diese Situationen können Spiele in eine Richtung kippen.“
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Beteiligt an besagtem Gegentor war auch Verteidiger Wahl, der im Duell mit Scherhant zu Boden ging und mit seiner Analyse der Wahrheit am nähesten kommt: „Es ist ein kleiner Stoß da, aber der Schiedsrichter hatte eine sehr lange Leine in beide Richtungen.“
Dass die Partie nach starker und druckvoller erster Hälfte nicht in die von St. Pauli gewünschte Richtung lief, hatte sich der Vorjahres-Aufsteiger in erster Linie selbst zuzuschreiben. „Wir hatten keine Entlastung mehr“, sagt Nikola Vasilj. Hinzu kam: Auch der bosnische Nationalkeeper, an sich ein großer Rückhalt beim Kiez-Klub, trug mitentscheidend zur Niederlage bei.
Vor dem entscheidenden Treffer wehrte er den Schuss des Freiburgers Cyriaque Irié genau vor die Füße von Ex-Teamkollege und SC-Matchwinner Igor Matanovic ab. „Ich hatte eine gute Positionierung und will den Ball fangen“, erklärt der 30-Jährige die Situation und räumt unumwunden zu: „Neun von zehn Bällen dieser Art halte ich. Es ist mein Fehler.“
