Brajan Gruda verbrachte die vergangene Rückrunde als Leihspieler bei RB Leipzig und wollte unbedingt zu den Sachsen zurück. Das hat geklappt. Und somit hat der neue RB-Coach Martin Demichelis eine höchst flexible Offensiv-Option – und eine Alternative für zwei Stars.
Option für Acht, Zehn und Flügel
Die erste Duftmarke hat Brajan Gruda gleich beim ersten Auftritt nach seiner Rückkehr gesetzt. Beim 2:1-Sieg von RB Leipzig im ersten Testspiel der Vorbereitung am vergangenen Samstag gegen Nordost-Regionalligist VSG Altglienicke traf der Offensivspieler zum 1:0.
Die Art und Weise, wie Gruda das Tor erzielte, zeigte auf, welches Potenzial die Sachsen mit dem Deutsch-Albaner auch in der kommenden Saison in ihrem Kader haben. Bei der Entstehung seines Treffers nahm er 35 Meter vor dem gegnerischen Gehäuse den Ball nach einem Pass seines Kollegen Benjamin Henrichs mit dem Rücken zum Tor und in Bedrängnis an, um ihn bei einer schnellen Drehung mit einem Lupfer am Gegenspieler vorbei zu befördern. Dann dribbelte Gruda in Richtung Tor und traf nach einem kurzen Wackler nach links aus 18 Metern präzise in die rechte untere Ecke.
„Ich liebe es, guten Ballbesitz zu haben. Da braucht es solche Spieler“ (Martin Demichelis über Brajan Gruda)
Es sind diese Aktionen, die Grudas Spiel kennzeichnen. Der Offensivallrounder, den RB erneut vom Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion ausgeliehen hat, ist der Typ Fußballer, dessen Spielanlage gemeinhin als unorthodox bezeichnet wird, weil das Unvorhergesehene Programm ist. Grudas Spiel fußt auf blendender Technik, der Gabe, den Gegner aufs falsche Bein zu stellen, einem schnellen Antritt und dem untrüglichen Instinkt, Räume zu erkennen – für Mitspieler und sich selbst. So findet Gruda auch einen Weg an Gegenspielern vorbei, wo es vordergründig keinen Weg vorbei zu geben scheint. Derlei Qualitäten paart der deutsche U-21-Nationalspieler mit der Fähigkeit, den letzten Pass zu spielen, und mit einem präzisen Schuss mit dem linken Fuß.
Gegen den Ball ist noch Luft nach oben
In Leipzig gilt Gruda als höchst flexible Option für alle Positionen hinter einem Mittelstürmer: ob im bevorzugten 4-3-3-System auf der Acht oder auf den Flügeln oder im 4-2-3-1 auf der Zehn. Somit kann Gruda den wegen eines Sehnenrisses noch eine Weile fehlenden Christoph Baumgartner ersetzen und eine Alternative sein, sollte der umworbene Flügelstürmer Yan Diomande RB noch verlassen. Bei seinem direkten Vorgesetzten hat Gruda jedenfalls einen Stein im Brett.
„Ich liebe solche Spieler“, sagt Martin Demichelis, und der neue RB-Coach ergänzt: „Ich liebe es, guten Ballbesitz zu haben. Da braucht es solche Spieler.“ Dass Gruda gegen den Ball zulegen kann und im letzten Drittel bisweilen noch die letzte Klarheit in den Aktionen fehlt, verorten die Bosse unter Privileg der Jugend.
Sie sind davon überzeugt, dass das Komplett-Paket von 30 Millionen Euro, aus Leihgebühr und fälliger Ablöse bei Kaufpflicht gut investiertes Geld ist. Und auch Gruda ist glücklich, weiter das RB-Dress zu tragen. Er habe, so sagt er, „tatsächlich meine Wohnung behalten, weil mir klar war, dass ich unbedingt wieder hierher will.“ Nun ist er da – und soll möglichst oft Szenen haben wie beim Tor gegen Altglienicke.
