Der FC Augsburg hat in dieser Saison schon sportliche Ausrufezeichen gesetzt, zuletzt aber viermal nicht gewonnen. Für einen Weg aus dieser sportlichen Delle muss die Defensive besser stehen.
Rücken Kade und Gregoritsch ins Team?
Es ist davon auszugehen, dass Manuel Baum und seine Mannschaft weitaus besser über Union Berlin Bescheid wissen, als jener unglückselige Kandidat aus Augsburg bei „Wer wird Millionär?“ am vergangenen Montag. Der junge Mann scheiterte samt seines Telefonjokers an der Frage, wer seit Sommer die „Eisernen“ trainiert, entschied sich für einen fiktiven Igor Spassikovsky anstelle von Mauro Lustrinelli und ging mit 500 Euro nach Hause.
Für den FCA geht es am Samstagnachmittag nicht um eine Million, sondern um die Rückkehr in die Erfolgsspur nach zuletzt vier sieglosen Partien in der Bundesliga. So gut der Start mit der erstmaligen Tabellenführung nach zwei Spieltagen war, so respektabel 2:2-Unentschieden gegen Bayer Leverkusen und Bayern München sind, ein bisschen ist Baums Team zuletzt vom Weg abgekommen.
Dies liegt vor allem an der löchrigen Defensive, die in besagten vier Partien elf Gegentore hinnehmen musste. Anders als in früheren Zeiten ist nicht das Toreschießen das Problem, 16 sind die zweitmeisten hinter dem FC Bayern (22), hinten kassieren die Augsburger viel zu viele. Bemerkenswert: Augsburg traf an allen sechs Spieltagen mindestens doppelt, eine Serie wie zuvor noch nie für den Bundesligisten im 16. Jahr. Umso ärgerlicher ist es fast schon, dass mit dieser Quote nur acht Punkte auf der Habenseite stehen.
Schon fünf Gegentore in der Schlussphase
Zu denken geben sollte, dass die Mannschaft schon fünf Gegentore in den letzten zehn Minuten eines Spiels kassierte. Konzentrations- oder gar Konditionsschwächen? Spannend, ob und wie Baum seine Mannschaft ändert, wobei er bei der grundsätzlichen Ausrichtung bleiben dürfte. Weil für die Dreierkette Noahkai Banks weiter ausfällt, käme höchstens Jeffrey Gouweleeuw als Alternative zum gesetzten Chrislain Matsima, zu Juma Bah oder Calvin Brackelmann infrage.
Auch am Rest des Teams dürfte der Coach eher wenig rütteln. Wie er am Donnerstag bekanntgab, kommt die Partie für Alexis Claude-Maurice nach muskulären Problemen wohl zu früh. Ins Team drängen damit höchstens Anton Kade und Michael Gregoritsch, Letzterer gegen Union allein schon wegen seiner Kopfballstärke. Sollte Kade im Vollbesitz seiner Kräfte sein – zuletzt kam er nach Muskelbündelriss zweimal als Joker – sollte auch er außerhalb jedweder Diskussion stehen, zu viel wert sind Schnelligkeit und Torgefährlichkeit des U-21-Nationalspielers.
Mitentscheidend für einen Erfolg könnte werden, dass der FCA, sollte er gegen Union führen, nicht in einen zu tiefen Verteidigungsblock verfällt. Bis auf das 3:4 in Elversberg lag er in dieser Saison immer vorne, verspielte dies aber gegen Leverkusen, die Bayern und in Bremen. Dieses tiefe Verteidigen ist zwar taktische Vorgabe, ging aber eben nicht immer gut. Aktiv bleiben, den Gegner mit dem eigenen, vorhandenen Offensivpotenzial weiter stressen, könnte das Erfolgsrezept lauten. Weitere Themen sind die Konterabsicherung, das Verhalten bei gegnerischen Standards und der Raum im Rücken der Außenverteidiger.
Ganz nebenbei: Mit einem Dreier gegen Union wäre der FCA wieder im Soll, käme er auf elf Zähler nach sieben Partien. Umgekehrt wäre bei einem fünften sieglosen Spiel eine kleine sportliche Krise nicht wegzudiskutieren. Für eine solche ist der Kader eigentlich zu gut.
