Die Eintracht beginnt sehr spät mit der Suche nach einer neuen Nummer 1. Jetzt drängt die Zeit. Freiburgs Noah Atubolu kann sich einen Wechsel nach Frankfurt gut vorstellen, doch die Ablöse könnte sich als Knackpunkt erweisen.
Torheit in der Torwartplanung
Tag um Tag verstrich der Sommer, ohne dass der Elefant im Raum Beachtung fand. Das Management um Sportvorstand Markus Krösche verschleppte die aus der vergangenen Saison mitgenommene Torwartproblematik. Erst die 0:7-Schlappe beim FC Brentford, Kaua-Santos-Patzer inklusive, sorgte am vergangenen Wochenende für einen Hallo-Wach-Effekt.
Seither steht fest: Die Eintracht will weder mit Kaua Santos noch mit Michael Zetterer als Nummer 1 in die neue Saison gehen. Es erstaunt, dass diese Erkenntnis nicht früher reifte. Zumal es intern schon länger skeptische Stimmen gab. Auch in der Öffentlichkeit war das Thema allgegenwärtig. „Ein Wagnis mit ungewissem Ausgang“, schrieb der kicker Mitte Juni, „Kaua Santos wird mit dem Start in die Vorbereitung seinen neuen Trainer Adi Hütter restlos überzeugen müssen. Der Österreicher wird sich kaum auf ein Vabanquespiel einlassen.“
Frankfurt als stabilste Lösung für Atubolu
Wenig überraschend ist es dem verletzungs- und fehleranfälligen Brasilianer nicht gelungen, Hütter zu überzeugen. Nun bleiben noch eineinhalb Wochen, um eine neue Nummer 1 zu finden, ganz zu schweigen von den Verstärkungen für die Abwehr und den Sturm. Wie der kicker am Sonntagabend exklusiv berichtete, heißt die Wunschlösung Noah Atubolu.
Der 24-Jährige und seine Berateragentur haben sich verzockt – konkrete Angebote großer Klubs blieben bislang aus. Und der SC holte aus Bremen Mio Backhaus als neue Nummer 1 für zwölf Millionen Euro Sockelablöse. Aktuell ist Atubolu dabei, sein Umfeld zu ordnen und zu überprüfen, wie belastbar das schon länger bestehende Interesse anderer Klubs wie Neapel, Marseille oder Bournemouth ist. Nach kicker-Informationen kann sich der Torwart einen Wechsel nach Frankfurt gut vorstellen, sieht die SGE mit einem für ihn nicht so fremden Umfeld als derzeit stabilste Alternative an.
Die große Frage ist aber, ob sich die Eintracht Atubolu überhaupt leisten kann. Zwar läuft der Vertrag des Keepers 2027 aus, zu einem Freundschaftspreis werden ihn die Frankfurter aber nicht verpflichten können. Bisher kam es noch nicht zu Verhandlungen zwischen den Klubs. Doch es ist anzunehmen, dass der SC auf einer Ablöse im Bereich von 15 Millionen Euro bestehen wird. Viel Geld für die Hessen, die ihren geplanten Transferüberschuss in diesem Sommer – mehr als 50 Millionen Euro – noch nicht erreicht haben.
Um seine Verhandlungsposition gegenüber Freiburg nicht zu schwächen, muss Krösche mehrgleisig planen und auch andere Kandidaten ins Visier nehmen. Immer wieder fällt der Name des früheren Frankfurter Publikumslieblings Lukas Hradecky. Hütter kennt den 36-Jährigen aus Monaco. Heiß ist die Spur nach kicker-Informationen aber nicht. Denkbar scheint auch die Verpflichtung oder Leihe einer starken Nummer 2 eines ausländischen Top-Klubs.
Kaua Santos spielt im DFB-Pokal
Klar ist, dass Kaua Santos im Pokalspiel gegen St. Tönis das Tor hüten soll. „Wir werden mit Kaua Santos ins Spiel gehen. Dann werden wir sehen, was in Zukunft passiert“, sagt Hütter. Bei Nachfragen zu möglichen Verstärkungen antwortete er auf der Pressekonferenz am Mittwoch diplomatisch.
Auch für den Torhüter ist die Situation nicht einfach. Der 23-Jährige ist in einem Alter, in dem er regelmäßig spielen muss. Für Kaua Santos wäre es besser gewesen, frühzeitig Klarheit zu haben, um die Suche nach einem neuen Klub forcieren zu können. Wie schwierig das speziell auf der Torhüterposition sein kann, zeigt der Fall Atubolu. Jetzt eilt die Zeit, die meisten Klubs haben sich längst auf eine Nummer 1 festgelegt.
Zetterer hegt bisher keine Wechselabsichten und wartet ab, welche Torwartkonstellation sich ergibt. Ein möglicher Wechsel zu Leeds United, wo er die Nummer 2 sein könnte, ist aktuell kein Thema. Von der Eintracht gibt es bisher keine Signale, dass er sich einen neuen Verein suchen soll.
