In der Mainzer Abwehr herrschte während der Vorbereitung Luxus pur. Nach dem Saisonstart lichten sich auf einmal die Reihen.
In der 05-Abwehr werden die Karten neu gemischt
An der Defensive lag es sicher nicht, dass in Mainz nach dem Start gegen Paderborn (0:0) eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist. Dennoch steht nach dem torlosen Remis gegen den Aufsteiger speziell die Besetzung der Abwehrkette im Fokus. Wo sich angesichts von sieben Kandidaten für drei Positionen zunächst ein massives Luxusproblem für Trainer Urs Fischer ergab, müssen die Karten auf einmal neu gemischt werden.
Der Schock des Wochenendes: die schwere Verletzung von Dominik Kohr (32). Der Routinier humpelte mit dick bandagiertem Fuß auf Krücken aus dem Stadion. Besonders bitter, wie sein Ausfall zustande kam: Teamkollege Nadiem Amiri schubste Paderborns Laurin Curda plump in Richtung Kohr, den der folgende Zusammenprall dadurch völlig unvorbereitet traf – ein doppelt blödsinniges Foul des Mainzer Nationalspielers. Eine genaue Diagnose bei Kohr stand am Sonntagnachmittag noch aus.
Für Top-Talent Potulski kommt die Chance schneller als gedacht
Sportdirektor Niko Bungert sprach zunächst von einer Verletzung an „Schien- und Wadenbein“, während Fischer die Blessur am „Fuß“ verortete. Die Kombination legt nahe, dass auch die Syndesmose betroffen sein könnte. Dass Kohr mindestens die kommenden drei Ligaspiele bis zur Länderspielpause verpassen wird, darf als gegeben angenommen werden. Alles Weitere bleibt vorerst abzuwarten.
Immerhin: Für Top-Talent Kacper Potulski (18) ergibt sich so schneller als gedacht die Chance zum nächsten Karriereschritt. Jedenfalls wurde der Youngster am Samstag für Kohr eingewechselt und gilt speziell für die Planstelle hinten links als erster Backup. Eindeutig verdrängt hat der polnische Jungnationalspieler dabei den 22-maligen norwegischen Internationalen Andreas Hanche-Olsen (29). Nach kicker-Informationen beschäftigt sich der „Wikinger“ spätestens seit seiner jüngsten Kader-Ausbootung intensiv mit einem Wechsel. An der Mainzer Gesprächsbereitschaft über einen Last-Minute-Abgang soll dabei auch der Fall Kohr nichts ändern. Einigt sich der Klub mit einem der vorhandenen konkreten Interessenten, darf Hanche-Olsen gehen.
Gruber überzeugt auf Anhieb, doch an Posch führt kein Weg vorbei
Schließlich bleiben den Rheinhessen auch ohne Kohr und Hanche-Olsen noch fünf Alternativen für drei Plätze, zudem Lennard Maloney und der aktuell ebenfalls noch verletzte Eric Martel (Innenbandanriss im Knie), beides etatmäßige Sechser, als Notfall-Optionen. Weit mehr als das ist Fabio Gruber (23), der am Samstag beim Bundesliga-Debüt als Abwehrchef auf Anhieb überzeugte. „Er hat ein gutes erstes Spiel gemacht“, lobt Fischer nachvollziehbar, „gut antizipiert und nach vorne verteidigt“.
Zugleich machte der Fußballlehrer klar, dass am für vier Millionen Euro Ablöse aus Como verpflichteten Stefan Posch (29) schon relativ kurzfristig kein Weg vorbeigehen wird. Der österreichische WM-Teilnehmer stand nun „erst seit zwei Wochen voll im Training“, so Fischer, „es war für ihn noch ein bisschen früh. Aber der Zeitpunkt wird kommen, wo ich ihn reinwerfen muss.“ Bleibt die Frage: Wie vergangene Saison in der Mitte der Dreierkette? Oder rechts, wo sich Danny da Costa bis dato freilich keine Blöße gibt? Sämtliche Luxusprobleme lösen sich für Fischer also selbst mit zwei Alternativen weniger noch nicht ohne weiteres in Luft auf.
