Die linke Seite gehörte beim FC Augsburg zwei Jahre lang Dimitrios Giannoulis. Nun wechselt der 30-jährige Grieche zurück in die Heimat zu PAOK Saloniki. Nachfolger Hennes Behrens bringt viel Potenzial mit.
Nachfolger schon da
Aus Augsburgs Trainingslager am Achensee (Österreich) berichtet Frank Linkesch
Dieser Transfer hätte aus Augsburger Sicht viel schneller passieren können, hätte PAOK Saloniki von Anfang an seriös verhandelt und nicht scheibchenweise das Angebot erhöht. Mit einer Million Euro fing es vor mehr als vier Wochen noch während der WM an, nun bekommt der FCA 4,25 Millionen Euro für Schienenspieler Dimitrios Giannoulis, dessen Vertrag noch bis 2028 gelaufen wäre.
Giannoulis wollte unbedingt zurück in die Heimat, obwohl am Ende noch die AS Monaco mit einem deutlich lukrativeren Angebot an ihn gelockt hatte. Am Mittwochabend traf Giannoulis in Saloniki ein, am Donnerstagvormittag vermeldete Augsburg Vollzug. 58 Bundesligaspiele mit drei Toren absolvierte er, seitdem er ablösefrei von Norwich City vor zwei Jahren im Trainingslager in Südafrika zum Team gestoßen war.
Weil der FCA schon länger von Giannoulis‘ Wunsch wusste und sich zudem die Gelegenheit auf dem Markt ergab, ist der Nachfolger längst da: Hennes Behrens, 21 Jahre alt, bei der TSG Hoffenheim ausgebildet. In der vergangenen Rückrunde war er an Heidenheim ausgeliehen, bewies dort in 16 Einsätzen mit einem Tor und zwei Assists trotz des Abstiegs sein großes Potenzial und unterschrieb nun bis 2031 in Augsburg. Ablöse: 3,5 Millionen Euro.
Für Baum hat Behrens das Zeug zum Publikumsliebling
Die gegenseitige, menschliche Wertschätzung ist bereits jetzt vorhanden. Trainer Manuel Baum gefiel, dass Behrens zum Gespräch bei ihm zu Hause ganz normal in Shorts und Achselshirt kam. Behrens berichtet, dass ihn das Gespräch mit Baum vollends überzeugt habe. „Das Menschliche und die Werte im Klub passen zu mir. Augsburg ist super, der logische und klare Schritt für mich“, erzählte er im Trainingslager. Beim 15:0-Sieg gegen den SC Schwaz am Mittwochabend erzielte Behrens sein erstes Tor für den neuen Arbeitgeber.
„Mein klares Ziel lautet, dass ich spielen möchte, ich Stammspieler sein werde“, formuliert Behrens seine sportlichen Ansprüche. Noch ist unklar, ob der FCA einen weiteren Spieler für die linke Schiene verpflichten wird, intern könnte auch Allrounder Robin Fellhauer dort aushelfen. Viel spricht aber für eine freie Bahn für Behrens im übertragenen Sinne. Für Baum hat er sogar das Zeug zum Publikumsliebling, der Trainer glaubt, dass der Geräuschpegel in der WWK-Arena anschwellen werde, wenn Behrens die Linie entlang spurtet.
Gegen Olise: cool, aber auch frustrierend
Aus Heidenheim nimmt Behrens gemischte Gefühle mit. Kein Wunder: einerseits die sportliche Enttäuschung über den Abstieg, andererseits der persönliche Durchbruch. „Die Spiele haben trotz der Niederlagen Spaß gemacht, es war Bundesliga, besser hätte ich es mir nicht erträumen können.“ Zumal er am starken Endspurt beteiligt war, der fast noch zum Klassenerhalt gereicht hätte. Unter anderem mit einem 3:3 beim FC Bayern, als Behrens Michael Olise als Gegenspieler hatte. „Das war schon cool, aber auch ein bisschen frustrierend“, erinnert er sich an das Duell mit dem Weltklasse-Spieler.
Zum Einstand musste Behrens vor der Mannschaft tanzen, gemeinsam mit Sima Suso, einem weiteren Neuzugang. „Ich habe mich extrem drüber gefreut, weil ich nicht tanzen kann“, erzählt er ironisch, hat es aber überstanden. Han-Noah Massengo ist vom Neuzugang angetan, allerdings als Fußballer: „Sehr gut. Ich erinnere mich, wie wir letzte Saison gegen ihn und Heidenheim gespielt haben. Ich hoffe, dass wir davon mehr von ihm in dieser Saison sehen.“ Das glauben auch die Verantwortlichen beim FCA, sonst hätten sie Behrens nicht verpflichtet.
