Patrick Ittrich beendet am Saisonende zufrieden seine Schiedsrichter-Karriere. Am Freitag durfte er noch einmal in Dortmund ran – und demonstrierte in einer eingefangenen Szene seine große Stärke.
„Komm hoch da jetzt!“
Nicht nur mehrere Dortmunder, auch Patrick Ittrich durfte am Freitag noch einmal ein Spiel vor der Gelben Wand genießen. Der Schiedsrichter, der nach der Saison wie Deniz Aytekin, Tobias Welz und Frank Willenborg seine Laufbahn beendet, leitete mit dem 3:2-Heimsieg des BVB gegen Eintracht Frankfurt sein mutmaßlich vorletztes Spiel im deutschen Profifußball, sein 93. in der Bundesliga.
„Es ist schön, dass man als Schiedsrichter hier aus dem Spiel rausgeht – und keiner will was“, konnte Ittrich am Sky-Mikrofon mit seiner Leistung in Dortmund zufrieden sein. „Das heißt immer so viel wie: Du hast vielleicht mal einen Fehler gemacht, aber es war alles trotzdem okay.“
„Renn doch nicht in ihn rein!“
Weil Ittrich mit einer Ref-Cam ausgestattet war, durften auch die TV-Zuschauer noch einmal nachfühlen, was den 47-Jährigen in seiner Karriere immer ausgezeichnet hat. Als BVB-Torschütze Nico Schlotterbeck im zweiten Durchgang mit Schmerzen auf dem Rasen lag und über ein Eisbein klagte, also einen Kniestoß gegen seinen Oberschenkel, meinte der Referee flapsig: „Renn doch nicht in ihn rein!“
Und nachdem er sich erkundigt hatte, ob Schlotterbeck eine Behandlung benötige („Brauchst du oder geht ohne? Geht ohne, ne? Bisschen Eis?“), appellierte er: „Komm, zieh durch da jetzt! Komm hoch da jetzt! Steh doch auf! Eisbein ey …“ Maximilian Beier stand mit einem breiten Grinsen daneben, zu dem sich Schlotterbeck auch dann noch nicht durchringen konnte, als er, immer noch mit schmerzverzerrtem Gesicht, schließlich wieder aufgestanden war.
„Ich wollte ja immer Spielleiter sein“, erklärte Ittrich später. „So Zuckerbrot und Peitsche. Ich glaube, die Spieler wussten bei mir, wo die Grenze ist. Aber sie wussten auch, dass sie zu mir kommen und mit mir sprechen können. Und das habe ich auch immer dazu genutzt, um meine Spiele vernünftig zu leiten. Das war immer ein großes Tool bei mir und auch eine große Stärke logischerweise. Es entschuldigt nicht nicht die ganze Grütze, die ich gepfiffen habe, aber es war trotzdem okay.“
„Ich merke wirklich – und das ist so schön – eine hohe Wertschätzung“
Entsprechend warm fielen die Worte aus, die die Beteiligten Ittrich am Freitagabend mit auf den Weg gaben. „Ich merke wirklich – und das ist einfach so schön – eine hohe Wertschätzung. Von den Fans, von den Trainern, die sich einfach bedankt haben. Dass wir so häufig in der Kritik stehen und man dann merkt, dass man als Person und als Schiedsrichter etwas erreichen kann, das ist großartig.“
Und so verspürt Ittrich kurz vor dem Karriereende in erster Linie nicht Wehmut, sondern etwas anderes: „Zufriedenheit. Ich bin sehr zufrieden, muss ich sagen. Das ist das, was auch Schiedsrichterkollegen, die aufgehört haben, sagen: Wenn man eine Zufriedenheit herstellt, auch wenn man aufhört, ist das gut.“
