Nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach steht Kölns Trainer Lukas Kwasniok vor der Entlassung. Mögliche Nachfolgelösungen sind intern vorhanden, ein Impuls von außen ist dagegen eher unwahrscheinlich.
Aufsteiger in der Krise
Was Thomas Kessler am Samstagnachmittag sagte, nahm nicht gerade Druck aus der Sache. „Hier wurde viel geboten, leider nur keine drei Punkte für den 1. FC Köln“, sagte der Sport-Geschäftsführer des Aufsteigers nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach. Eine mitreißende Partie mit für die Geißböcke enttäuschendem Ausgang: Sieben Spiele ohne Sieg sind ebenso zu wenig wie überhaupt nur zwei Siege in den vergangenen fünf Monaten.
Auch wenn es unmittelbar nach dem Abpfiff keine Unmutsbekundungen der Fans in Richtung Kwasniok gab, steht der Coach nun vor dem Aus. „Klar ist, dass du irgendwelche Stellschrauben sehen musst, damit du wieder in der Lage bist, ein Fußballspiel zu gewinnen“, betonte Kesser stattdessen. Kein gutes Zeichen: Das Spielersatztraining am Sonntag wurde abgesagt, der mächtige Gemeinsame Ausschuss (GA) tagt am Nachmittag. Das aus mehreren Funktionären zusammengesetzte Gremium entscheidet beim FC über wichtige Personalien – wie etwa auch den Cheftrainer.
Die Tabelle macht Kessler Sorgen
„Ergebnisoffen“ wollte Kessler ins Restwochenende gehen, das Ergebnis zeichnet sich nun ab. Das Votum des Ex-Profis dürfte ausschlaggebend für die Entscheidung der Bosse gewesen sein, für eine Entlassung des Cheftrainers muss der Geschäftsführer beim GA einen Antrag stellen. Umgekehrt kann aber der GA Kessler stechen. Zur Erinnerung: Als Kesslers Vorgänger Christian Keller partout nicht vom damaligen Cheftrainer Gerhard Struber abrücken wollte, trennte sich der FC kurzerhand von beiden.
Genau wie im Saisonendspurt der vergangenen Zweitliga-Saison steht Köln nun wieder am Scheideweg, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Waren es vor etwas weniger als einem Jahr die Zweifel, womöglich den Aufstieg aus der Hand zu geben, sind es diesmal die Sorgen um den Klassenerhalt, die auf die Stimmung drücken. „Es geht um die Gesamtentwicklung. Und die ist so, dass wir immer näher an den Strich heranrücken“, mahnte Kessler.
Wagner galt bereits länger als möglicher neuer Chef
Heiß gehandelt wurde als Kwasniok-Nachfolger bereits am Samstagabend Co-Trainer René Wagner. Der 37-Jährige ist nach kicker-Informationen der Top-Kandidat für diese Aufgabe, kam im vergangenen Sommer von Union Berlin in Kwasnioks Stab und gehörte zuvor zum Kernteam von Trainer Steffen Baumgart. Mit ihm arbeitete er bereits in Paderborn, in Köln, beim Hamburger SV und auch bei Union. Wagner, der als hochtalentiert auf dem Trainerposten gilt, hätte dann auch Optionen in England gehabt, wurde aber von Kessler zurück ins Rheinland geholt.
Intern galt Wagner bereits seit einiger Zeit als möglicher Nachfolger seines aktuellen Chefs. Nur: Eine ganz frische Lösung wäre er nicht. Keine Lösung ist U-19-Coach Stefan Ruthenbeck, der in jeder Krise als Interimscoach gehandelt wird, aber im Nachwuchs mehr als zufrieden ist. Ebenfalls kein Thema ist nach kicker-Informationen der erst Mitte Januar bei Eintracht Frankfurt entlassene Dino Toppmöller. Auch einem erneuten Engagement von Friedhelm Funkel stehen die FC-Verantwortlichen zur Zeit eher skeptisch gegenüber.
Dank der anstehenden Länderspielpause hätte ein neuer Coach zwei Trainingswochen Vorbereitungszeit. Auch deshalb könnte Kessler den vergleichsweise günstigen Moment für den Trainerwechsel nutzen. Denkbar ist, dass Kessler es erst mit einer internen Lösung versucht – und sich so die Möglichkeit eines zweiten Trainerwechsels inklusive externem Retter offen hält.
