Vor dem Spitzenspiel am Samstagabend beträgt Bayerns Punktepolster auf den BVB komfortable acht Zähler. Welche Vorsprünge im Oberhaus schon verspielt und welche Rückstände noch wettgemacht wurden.
Der VfL holte 2008/09 elf Punkte Rückstand auf
Nach der Hinrunde deutete nichts darauf hin, dass der Meisterschaftskampf noch mal ansatzweise spannend werden könnte. Zu stark und zu weit enteilt war die Elf von Vincent Kompany. Elf Zähler lag der Spitzenreiter nach der ersten Saisonhälfte vorn.
Dortmund rückt auf sechs Zähler heran
Erst am 19. Spieltag machte der Verfolger aus Dortmund erstmals Punkte in dieser Spielzeit auf die Bayern gut. Während der Rekordmeister völlig überraschend im eigenen Stadion mit 1:2 dem FC Augsburg unterlag, siegte der BVB 3:0 bei Union. Nur einen Spieltag später klaute der HSV beim 2:2 dem Tabellenführer zwei Zähler, die Borussia rückte durch das 3:2 in Heidenheim sogar auf sechs Punkte heran.
Wer weiß, wie die Stimmungslage an der Isar gewesen wäre, wenn Mario Götze am vergangenen Spieltag bei Frankfurts 2:3 in München kurz vor Schluss aus heiterem Himmel noch der Ausgleich geglückt wäre? Stattdessen musste Dortmund später im Top-Spiel beim 2:2 in Leipzig Federn lassen, sodass das das Punktepolster des Tabellenführers wieder auf acht Zähler angewachsen ist. Dennoch erweist sich Schwarz-Gelb als hartnäckiger Verfolger. Nun will die Elf von Niko Kovac nach dem letzten Strohhalm im Meisterschaftskampf greifen.
In seiner Klub-Historie gelang es dem BVB immerhin schon zweimal, acht Punkte auf Platz 1 noch aufzuholen. Freilich hatten die Schwarz-Gelben in beiden Fällen deutlich mehr Zeit für das Unterfangen.
Klopp holte Acht-Punkte-Rückstand auf
2001/02 hatte das Team nach dem 7. Spieltag einen solchen Rückstand auf den 1. FC Kaiserslautern, der mit sieben Siegen in die Saison gestartet war. Während die Pfälzer im weiteren Saisonverlauf auf Platz 7 durchgereicht wurden, holte der BVB mit einem 2:1 gegen Bremen am letzten Spieltag den Titel vor Bayer 04 Leverkusen.
2011/12 machten die Dortmunder unter Jürgen Klopp dann einen Acht-Punkte-Rückstand nach dem 7. Spieltag auf die Bayern wett. In den letzten 28 Spielen der Saison holte das Team 23 Siege und fünf Remis und verteidigte damit den Titel aus der vorigen Spielzeit.
Noch imposanter war der Kraftakt des VfL Wolfsburg in der Saison 2008/09. Nach einem 1:1 in Köln am 18. Spieltag lagen die Wölfe als Achter elf Zähler hinter Liga-Primus Hoffenheim. Mit 14 Siegen in den letzten 16 Partien marschierten die Niedersachsen noch auf Platz 1 durch. Keiner anderen Mannschaft war je so eine Aufholjagd gelungen.
Bayern gibt unter Kovac nicht auf
Den größten Vorsprung, den ein Tabellenführer auf den zweiten Platz verspielte, waren neun Punkte. Das passierte dem BVB, der 2018/19 nach 15 Spieltagen die Tabelle mit 39 Zählern vor den Verfolgern aus Gladbach und München (je 30 Punkte) anführte.
Ausgerechnet unter Kovac, der im Sommer 2018 von Frankfurt nach München gewechselt war, blies der Rekordmeister zur Attacke. Von Dezember 2018 bis Mitte März 2019 feierten die Münchener 13 Siege in 14 Spielen und eroberten die Spitze. Zwar musste der Rekordmeister nach einem 1:1 in Freiburg die Tabellenführung noch einmal kurzzeitig abtreten, eindrucksvoll holte er sie sich jedoch wieder zurück. Im Spitzenspiel am 28. Spieltag fegte die Kovac-Elf den Dortmunder Spitzenreiter mit 5:0 aus dem Stadion und hielt sich bis zum Ende oben.
Dortmund nutzt Bayerns Einbruch unter Rehhagel aus
Der größte Vorsprung auf Platz 2, den sich Bayern noch nehmen ließ, waren sieben Punkte in der Saison 1995/96. Damals waren die Münchener unter Otto Rehhagel makellos mit sieben Dreiern in die Saison gestartet. Doch die Bayern gerieten dann durch eine Niederlage ins Straucheln – gegen, na klar, den Zweiten aus Dortmund. Dem 1:3 beim BVB folgten noch neun Pleiten im weiteren Saisonverlauf. Rehhagel saß schon nicht mehr auf der Bank, als die Dortmunder am 33. Spieltag den Titel unter Dach und Fach brachten, weil der FCB mit 1:2 auf Schalke verlor.
Nach dem 23. Spieltag wurden in der Drei-Punkte-Ära jedoch maximal fünf Zähler Vorsprung auf Platz 2 aus der Hand gegeben. Dieses Kunststück brachte Bayer Leverkusen fertig, das nach dem 31. Spieltag 2001/02 mit 66 Punkten Platz 1 zierte. Dahinter: der BVB mit 61 Zählern. Der Werkself versagten im Schlussspurt gegen Bremen (1:2) und in Nürnberg (0:1) die Nerven, die Borussia war zur Stelle und schnappte sich die Schale. Ob nun ein noch größeres Wunder gelingt?
