Mit 14 Toren in der Schlussviertelstunde in 22 Ligaspielen retten der VfB und Sebastian Hoeneß Zähler. Eine gute Bilanz des Trainers. Aber einer war besser: ausgerechnet Bruno Labbadia.
Stuttgarter Trainer im „Fernduell“
Lange schien der 1. FC Köln beim Stand von 1:1 zumindest einen Zähler vom Neckar mit an den Rhein zu nehmen. Doch der amtierende Pokalsieger schlug erfolgreich zurück. Mit Wucht und „Doppel-D“: Ermedin Demirovic und Deniz Undav. Der Bosnier erzielte seinen zweiten Treffer zum 2:1, der Deutsch-Kurde nach zuvor glücklosen Versuchen, sein Tor zum 3:1. Klappe zu, Gegner erledigt.
Seit 1992/93 gab es diese Bilanz nicht mehr
Die Wiederauferstehung der scheinbar von den Rheinländern aufs Kreuz gelegten Schwaben, die mit den späten Treffern der beiden Torjäger nach jetzt 22 Spieltagen 14 Tore in der Schlussviertelstunde erzielt haben, ist aller Ehren wert und ein nicht zu unterschätzendes Qualitätsmerkmal. Seit 1992/1993 hat es diese Bilanz nicht mehr gegeben.
Dennoch ist diese aktuelle Ausbeute bei weitem nicht rekordverdächtig. Ausgerechnet Bruno Labbadia, dessen zweite VfB-Amtszeit Hoeneß vor knapp drei Jahren ablöste, kam 2011/12 vom 18. bis zum 34. Spieltag – also in nur 17 Spielen – ebenfalls auf 14 Treffer. Noch besser machten es die Schwaben 1968/69 zwischen dem 12. und dem 30. Spieltag, als sie sogar 16 Tore innerhalb von 19 Spielen in den letzten 15 Minuten schossen. Und der Rekordwert für eine gesamte Spielzeit datiert im Übrigen von 1987/88: da waren es insgesamt 21 Tore in der Schlussviertelstunde.
Überraschungen für Demirovic und Undav
Das alles „spricht für den Charakter der Mannschaft. Obwohl wir nicht unser bestes Spiel gemacht haben“, erklärte Doppelpacker Demirovic, der erst nach Spielschuss erfuhr, was ihm da gelungen war. Der 27-Jährige hatte bereits in der Hinrunde einmal gegen Köln (2:1) getroffen und damit drei Tore gegen den selben Gegner in einer Saison erzielt. Das hatte er bisher nur noch gegen Darmstadt (2023/24) und Bochum (2024/25) hinbekommen. „Aber das habe ich erst nach dem Spiel mitbekommen“, gestand der Nationalspieler. Mit Ausnahme seines Ex-Klubs Freiburg hatte er „nicht auf dem Schirm, dass auch Köln ein Lieblingsgegner wäre“.
Und auch sein Sturmkompagnon Undav wurde überrascht. Der 29-Jährige „wusste nicht, dass ich 100 Pflichtspiele habe. Mir wurde das ebenfalls erst hinterher gesagt.“ Was die Freude nicht schmälert. „Im 100. Spiel ein Tor zu erzielen ist natürlich noch schöner. Ich bin froh, 100 Spiele für den Verein absolviert zu haben.“
Tiago Tomas trauert um seinen Vater
Ein anderer VfB-Profi konnte die Freude über den Erfolg nicht wirklich teilen. Tiago Tomas brach nach Schlusspfiff in Tränen aus und wurde von den Kollegen gedrückt und getröstet. Spieler und Verantwortliche wollten sich zu den Umständen nicht äußern. Es handle sich um „ein privates Thema“, so Fabian Wohlgemuth kurz und knapp. Alles weitere, so der Sportvorstand, gehe niemanden etwas an.
Dabei kursiert in den sozialen Medien längst der Grund für die Trauer des Portugiesen. Von der eigenen Familie veröffentlicht. Im Januar hat der frühere U-Nationalspieler seinen Vater verloren. Was niemanden unberührt lässt. „Tiago ist ein ganz besonderer Mensch, hat jetzt schwere Wochen hinter sich und war einfach emotional“, erklärte Hoeneß, der auf die heilende Kraft der kollegialen Gemeinschaft baut. „Die Mannschaft hat ein gutes Gespür dafür.“
