Die eine oder andere Personalfrage hat Alexander Blessin vor dem Duell am Freitagabend gegen den HSV noch offengelassen und will vor der Beantwortung auch für sich klären, welche Rolle Derby-Erfahrung spielen könnte. Diesbezüglich keine Gedanken muss sich St. Paulis Trainer bei Hauke Wahl machen. Der gebürtige Hamburger weiß genau, auf was es ankommt.
St. Paulis gebürtiger Hamburger will „etwas anzünden“
Beginnt in der Spitze Martijn Kaars neben „Arbeitsbiene“ Mathias Pereira Lage oder doch Ricky-Jade Jones? Mit dieser Frage beschäftigt sich Alexander Blessin ebenso wie mit der nach der Nominierung des rechten Innenverteidigers: Startet erstmals Neuling Tamoya Ando, der langsam reif scheint für die erste Elf oder doch noch einmal Allzweckwaffe Adam Dzwigala, der schon mehrere Stadtmeisterschaften bestritten und bei der letzten, siegreichen, dem 2:0 im August, sogar getroffen hat? „Derby-Erfahrung“, sagt Blessin, „tut schon gut.“ Denn: „Manche wissen ja gar nicht, was da auf sie zukommt.“
„Man kann ein, zwei Mal präsenter sein – weil es ein Derby ist“
Abwehr-Chef Hauke Wahl weiß genau, was auf ihn und seine Kollegen zukommt. Und, der Routinier weiß auch genau, worauf es gegen den HSV ankommt. Er wolle nicht alles anders als üblich machen, sagt aber im Vorfeld: „Ich glaube, dass man ein Derby schon einen Ticken anders spielen muss. Man kann schon ein, zwei Mal mehr was sagen und ein, zwei Mal noch präsenter sein, weil es einfach ein Derby ist.“
Der 31-Jährige streicht die Bedeutung der Partie heraus und macht zudem deutlich, dass es um noch mehr als die Vorherrschaft in der Hansestadt geht – um die Existenz in der Bundesliga. Beide Stadt-Rivalen trafen sich in der bisherigen gemeinsamen Bundesliga-Historie noch nie so weit unten in der Tabelle (Platz 18 gegen Platz 14), und Wahl erklärt: „Wir wissen, dass es das wichtigste Spiel für die Fans, den Verein und die ganze Stadt ist. Für uns als Mannschaft ist es das auch, aber wenn man auf die Tabelle und unsere Punktzahl sieht, dann ist ab jetzt jedes Spiel das Wichtigste.“
St. Pauli braucht Punkte für die Rettung. Im Derby. Und danach. Das Duell am Freitag freilich kann Weichen stellen. Weil es das Potenzial hat, einen Stimmungsumschwung zu erzielen. Erst Recht nach den beiden unglücklichen Auftakt-Niederlagen im neuen Jahr in Wolfsburg (1:2) und Dortmund (2:3). „Auch wenn es am Ende nur drei Punkte sind kann man in einem Derby ganz viel gewinnen“, weiß Wahl.
Blessin hat auf der Pressekonferenz am Mittwoch erklärt, dass bei aller Emotionalität die im Spätherbst wiederhergestellte Basis, eine kompakte Defensive, auch gegen den Nachbarn die Grundlage bilden wird. Wahl widerspricht seinem Coach nicht, betont aber, dass der eine oder andere Akzent sehr wohl gesetzt werden soll. „Es ist ein bedeutendes Spiel, in dem wir etwas Großes gewinnen können. Wir haben ein Heimspiel, werden eine extreme Wand hinter uns haben. Deswegen ist es auch wichtig, mit einer gewissen Präsenz ein bisschen was auszusagen, etwas anzuzünden.“
