Vernichtendes Urteil: Darum ist Quansahs Kritik doppelt bemerkenswert

Leverkusens Auftritt beim 1:1 gegen Mainz kam einem Offenbarungseid gleich. Verteidiger Jarell Quansah stellte nach der erneuten Enttäuschung Bayer 04 ein vernichtendes Zeugnis aus – das in zweierlei Hinsicht bemerkenswert war.

„Unterschiedliche Ideen und unkoordiniert“

Es waren offene Worte. Die nichts beschönigten. Und die nicht nur den erneut enttäuschenden Auftritt des deutschen Vizemeisters beim 1:1 gegen Mainz 05, sondern auch die aktuelle Entwicklung beim Champions-League-Aspiranten treffend zusammenfassten, der in seiner derzeitigen Verfassung schlicht und einfach kein solcher ist.

„Wir haben nicht gewonnen. Und meiner Meinung nach reicht das nicht“, lautete der Eingangssatz von Innenverteidiger Jarell Quansah, der mit seinem Treffer zum Endstand zumindest eine Niederlage gegen den Abstiegskandidaten verhindert hatte. Doch die Formulierung, dass „es nicht reicht“ oder man „nicht gut genug“ gespielt habe, ist eine, die sich in diesen Wochen bei Bayer 04 etabliert hat. Allein diese Tatsache sagt alles über die Fehlentwicklung beim so hoch ambitionierten Klub.

Ein Status, der nicht nur den englischen Nationalspieler erheblich nervt. „Wir sagen das jetzt oft in letzter Zeit: nicht genug Energie, nicht genug Intensität“, monierte Quansah, „es war heute wieder nicht genug.“ Wieder. Nicht. Genug.

Diesen allgemein gehaltenen Worten ließ der 23-Jährige dann eine Abrechnung mit dem erschreckenden Bild folgen, das die Mannschaft von Kasper Hjulmand nicht nur am Samstag in der BayArena abgab. In einer Partie, in der Bayer vor der Pause komplett ohne Torchance blieb. In der Patrik Schick in der 63. Minute die erste Tormöglichkeit für Bayer besaß – am Ende kam die Werkself auf ganze zwei. Und in der Leverkusen einzig in der Schlussphase so in etwa diesen Sturm und Drang zu initiieren versuchte, der bei Bayer 04 den Mindestanspruch darstellen muss. Es blieb beim Versuch.

Nicht umsonst hatte Geschäftsführer Fernando Carro, der nach der Partie Schiedsrichter Tobias Stieler und besonders den VAR wegen eines unmittelbar vor dem 0:1 nicht gegebenen Strafstoßes für Bayer hart kritisierte, moniert: „Wir haben keine gute Leistung gezeigt, besonders in der ersten Hälfte. Am Ende haben wir es ja versucht, aber du kannst nicht 50 oder 80 Minuten so spielen.“

„Wir spielen nicht genug zusammen und haben unterschiedliche Ideen.“ (Jarell Quansah)

In diesen 50 oder 80 Minuten, wie es der Klub-Boss formulierte, hatte Bayer nahezu alles vermissen lassen, was eine funktionierende Einheit auszeichnet. Und genau das brachte Quansah mit einer bemerkenswerten Offenheit zum Ausdruck. Vier Sätze sprach der für 35 Millionen Euro vom FC Liverpool gekommene Abwehrspieler. Und jeder davon stellte Bayer ein Armutszeugnis aus.

„Ich habe das Gefühl, wir spielen im Moment gegen uns selbst“, begann Quansah seine Abrechnung, um dann einen wunden Punkt anzusprechen. „Wir spielen nicht genug zusammen und haben unterschiedliche Ideen.“ Eine alarmierende Bestandsaufnahme.

Erst recht, da Kapitän Robert Andrich am 17. Januar nach der 0:1-Niederlage bei der TSG Hoffenheim genau dies moniert hatte. Damals wurde der von Andrich beschriebene Status als Momentaufnahme deklariert. Jetzt, sechs Wochen später, ist klar: Bayer hat ein nachhaltiges Problem.

Quansah jedenfalls zeichnet das Bild einer zumindest von der Spielidee zerrissenen Mannschaft. „Wir spielen unkoordiniert“, stellt er sich und seinen Kollegen das wohl schlimmstmögliche Zeugnis aus und fügt mit Blick auf den inhomogenen Auftritt des Tabellensechsten an: „Wir müssen uns neu gruppieren.“

Hjulmand rückt in den Fokus

Klar ist: Dieser Status, den die Werkself erreicht hat, lässt sich nicht mit den Ansprüchen und Zielen von Bayer 04 vereinbaren. Im Jahr 2026 hat der Double-Gewinner von 2024 in der Bundesliga von acht Partien nur drei gewonnen, aber genauso viele Niederlagen kassiert. Verlor bei Union Berlin (0:1), das zuvor über Wochen kriselte. Und kam gegen Abstiegskandidaten wie in Gladbach (1:1) und gegen Mainz (1:1) nicht über Unentschieden hinaus.

Nach dem Abpfiff rangierte Bayer am Samstagabend drei Punkte hinter dem auf Platz 4 stehenden VfB Stuttgart bei der gleichen Anzahl von absolvierten Partien. Der tabellarisch brisante und sportlich indiskutable Level rückt natürlich Trainer Kasper Hjulmand in den Fokus. Nachdem der Däne Bayer nach dem 2. Spieltag übernommen und bis Weihnachten von Rang 12 auf Platz 3 geführt hatte, kann er im laufenden Kalenderjahr keinerlei positive Entwicklung vorweisen. Die Darbietung gegen Mainz war der vorläufige Tiefpunkt.

„Wenn ich in der Kabine wäre“, kommentierte Carro die Nicht-Leistung am Samstag eindeutig, „würde ich ausflippen.“ Und so forderte der 61-Jährige unmissverständlich: „Wir müssen aufwachen!“ Worte, denen der weit weniger impulsive Hjulmand in der Pressekonferenz keine Entschuldigungen entgegensetzen wollte.

Der Däne analysierte dafür nüchtern: „Wir müssen Lösungen finden, mit unserem Rhythmus und der Qualität in unserem eigenen Spiel.“ Sätze, die man zuletzt wiederholt so hörte. Gelungen ist es dem 53-Jährigen bislang nicht, die offenkundigen Mängel abzustellen, die Quansah jetzt so offen ansprach.

Bemerkenswert: Kritische Aussagen via Klub-TV

Was übrigens nicht nur aufgrund des Inhalts der Worte bemerkenswert ist. Wurden die kritischen Aussagen, die sonst nicht nach außen gedrungen wären, doch über das klubeigene TV veröffentlicht. Aussagen, die in keinem journalistischen Interview der Autorisierung der Medienabteilung von Bayer 04 standgehalten hätten.

 

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