Sein Wort hat Gewicht im Team: Ähnlich wie Bruder Nico bei Borussia Dortmund hat Keven Schlotterbeck eine Führungsrolle beim FC Augsburg und spricht Dinge klar an. Auch gegenüber Torschütze Rodrigo Ribeiro.
„Er darf noch was lernen“
Natürlich überwogen beim FC Augsburg Friede und Zufriedenheit nach dem verdienten 2:0 gegen den 1. FC Köln. Nach fünf Siegen aus den vergangenen sechs Partien ziert der Klub das Ende der oberen Tabellenhälfte und hat mit dem Abstiegskampf zumindest vorerst nichts mehr zu tun. Selbstzufriedenheit und Genügsamkeit sollen jedoch nicht einkehren, deshalb mischte sich in Lob auf feine Kritik.
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Bestes Beispiel: Keven Schlotterbecks Worte an Rodrigo Ribeiro, den Winterneuzugang und Torschützen zum 1:0. „Natürlich bin ich glücklich, dass er das 1:0 gemacht hat, dennoch auch unzufrieden mit seiner ersten Halbzeit“, sagte der Innenverteidiger in Richtung des 20-jährigen Angreifers und konkretisierte: „Ein guter Junge, aber er darf noch was lernen. In der ersten Halbzeit wurde er aufgefressen von Simpson-Pusey.“
Tatsächlich lesen sich manche von Ribeiros Werten gar nicht so schlecht. Er zog 24 Sprints an, hatte mit einem gefährlichen Schuss von knapp außerhalb des Strafraums die erste gefährliche Chance des FCA. Aber, und dahin zielte Schlotterbecks Kritik: auch nur 19 Ballkontakte bis zu seiner Auswechslung nach 67 Minuten und 20 Prozent gewonnener Zweikämpfe.
Baum lobt Ausbildung und technische Fähigkeit
Der FCA holte den Portugiesen im Winter per Leihe von Sporting Lissabon und sicherte sich eine Kaufoption über rund fünf Millionen Euro. „Wenn wir eine Option haben, gehen wir immer davon aus, dass derjenige es bei uns schafft“, sagt Sportdirektor Benni Weber. Manuel Baum wiederum hob Ausbildung und technische Fähigkeiten des Angreifers hervor. „Man muss sich nur das Tor anschauen. Der Ball ist nicht irgendwie reingeschoben, das war technisch hochwertig.“ Mit der Hacke, unter Bedrängnis, unhaltbar.
Gutes Scouting führte zu dem jungen Angreifer, dessen Torbilanz sich bei Sporting arg dünn las, den der FCA aber nicht nur in diesem Teilaspekt des Spiels entwickeln möchte. „Rodrigo hat Tiefe, Qualität im Eins-gegen-eins und ist ein sehr offener, herzlicher und lernwilliger Mensch“, beschreibt Weber den Neuzugang, der eine Woche zuvor beim 3:2 in Wolfsburg sein erstes Bundesligator geschossen hatte.
Baum sah dessen Leistung nicht ganz so kritisch wie Schlotterbeck, urteilte: „Wenn man sieht, wie viele Tiefenläufe er angezogen hat, merkte man, dass irgendwann die Kraft nachließ.“ Logisch die Auswechslung gegen Routinier Michael Gregoritsch, einen ganz anderen Sturmtypen. Je nach Gegner und Form hat Baum die Wahl und der Eindruck verfestigt sich: Der FCA hat im Winter im Angriff gut nachgelegt und sich qualitativ deutlich verbessert.
