An der Seite von Sportvorstand Markus Krösche stellt sich der neue Eintracht-Coach Albert Riera in einer knapp einstündigen Pressekonferenz vor – und erklärt, wie er die zuletzt taumelnden Hessen in die Erfolgsspur zurückführen will.
Neue Zeitrechnung in Frankfurt
Vor zweieinhalb Jahren lernten sich Markus Krösche und Albert Riera kennen. Bei einem guten Glas Wein saßen sie einen Abend lang zusammen und unterhielten sich über Fußball. So schildert es der Frankfurter Sportvorstand auf der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Es ist nicht untypisch, dass sich Krösche mit anderen Trainern trifft. Es ist sein Job, den Markt zu kennen und auch die Entwicklung einzelner Trainer genau zu verfolgen.
„Sie haben den besten Beruf der Welt – und ich haben den zweitbesten“ (Albert Riera)
Krösche ist überzeugt, in Riera den richtigen Mann gefunden zu haben, um die verunsicherte und von historisch vielen Gegentoren gepeinigte Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Und der 43 Jahre alte Spanier lässt bei seinen Ausführungen nicht den Hauch eines Zweifels erkennen, dass er dieser Aufgabe zu 100 Prozent gewachsen ist.
- „Ich habe keine Ausreden“: Der Ticker zur Pressekonferenz zum Nachlesen
Im ersten Schritt will Riera das Selbstvertrauen der Spieler stärken. „Ich sage ihnen, dass es nicht erlaubt ist, unglücklich zu sein. Sie haben den besten Beruf der Welt – und ich habe den zweitbesten, weil ich sie managen kann.“ Ein typischer Riera-Satz. Wie auch: „Ich setzte den Spielern rosarote Brillen auf. Alles ist pink, wunderschön, nicht dunkel.“ Er ist überzeugt, dass Spieler mit Selbstvertrauen mehr als 50 Prozent stärker sind. Deshalb will er sie starkreden und mit seiner Überzeugungskraft anstecken.
Auffallend oft nutzt Riera eine emotionale, bildhafte Sprache. Die ersten Tage bei der Eintracht vergleicht er mit dem Kennenlernen einer neuen Freundin. Es sei der Job eines jeden Mitarbeiters im Klub, dieses Gefühl von „Schmetterlingen im Bauch“ beizubehalten. Riera will, dass ihm die Spieler bedingungslos folgen. „Wenn ich vom Balkon springe, springen sie hinterher“, scherzt er, „vielleicht habe ich einen Zauberstab.“ Humor ist die eine Seite, Disziplin die andere. Riera hat gleich zu Beginn klare Regeln aufgestellt, an die sich alle halten müssen. Mit seinem Auftreten verdeutlicht er, dass er keine Disziplinlosigkeiten dulden wird. Die Zügel werden angezogen.
Rieras klare Marschroute
Auf dem Platz will er der Mannschaft einen klaren Plan an die Hand geben. „Die Spieler wollen Lösungen und in jedem einzelnen Moment wissen, was zu tun ist“, sagt der Coach. Seinen Job sieht er darin, die Profis auf alle Spielsituationen vorzubereiten. Alles in allem will er rasche Fortschritte sehen: „Ich hoffe, dass wir schon im nächsten Spiel viele Veränderungen, einen anderen Style und eine andere Identität sehen werden. Ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis wir den Peak erreichen. Aber wir müssen in jedem einzelnen Spiel Fortschritte sehen.“
Die Marschrichtung ist klar: Attacke. Riera fordert, dass seine Elf den Gegner schon früh bei der Spieleröffnung stört und zu Fehlern zwingt. Damit das Erfolg hat, muss die Mannschaft deutlich kompakter agieren als zuletzt. „Wir werden komplett anders verteidigen“, kündigt der Trainer an, „ich glaube an meine Ideen.“ Deutliche Veränderungen will er auch beim Spielaufbau vornehmen: „Ich mag es nicht, mit dem Torhüter zu spielen. Wir müssen versuchen, so wenig wie möglich zum Torhüter zurückzuspielen. Es geht darum, den freien Mann zu finden, der das Spiel verändern kann.“
Den Spielern will er die Angst vor Fehlern nehmen. Bei Ballverlusten sieht er die Schuld nicht bei demjenigen, der den Ball verliert, sondern beim Mitspieler, der sich nicht angeboten und den Ball gefordert hat. „In unserem Spiel geht es um Kombinationen“, betont er. Schon im Freitagabendspiel bei Union Berlin (20.30 Uhr LIVE! bei kicker) wird sich zeigen, was die Profis von seinen Ideen und seinem Spirit bereits verinnerlicht haben.
