Nach zwei Tagen Dauerregen an der Algarve genossen die Profis von RB Leipzig am Sonntag endlich strahlenden Sonnenschein im Trainingslager. Zeit für Ridle Baku, den Kollegen die bevorstehende und besonders knifflige Aufgabe vor Augen zu rufen.
Trainingslager im Zeichen der schwarzen Serie am Millerntor
Aus Leipzigs Trainingslager in Almancil berichtet Oliver Hartmann
Für Ridle Baku (27) ist es bereits der dritte Aufenthalt in Almancil, zuvor hatte der Rechtsverteidiger von RB Leipzig bereits mit dem VfL Wolfsburg das Wintercamp im Luxusquartier „Conrad Algarve“ und der schmucken Anlage „The Campus“ bezogen. „So wie die letzten Tage war es noch nie“, verwies der Nationalspieler mit Blick auf die letzten beiden Tage und blickte nach dem sonntäglichen Wetterumschwung gen Himmel: „Ich kenne es nur so.“
Wunderbare Platzverhältnisse, endlich frühlingshafte Temperaturen und intern eine durch und durch gelöste und entspannte Stimmung: Noch bis Mittwoch können Trainer Ole Werner und seine 23 mitgereisten Profis diese Rahmenbedingungen genießen, dann steht die Heimreise und am Freitag schließlich der Flug zur ersten Pflichtspiel-Aufgabe in Hamburg an.
Baku blickte allerdings am Sonntag bereits auf das brisante Duell beim FC St. Pauli und hob warnend den Zeigefinger. „Klar, wenn du hier bei sonnigen Temperaturen trainierst und dann am Millerntor spielst bei minus drei oder minus fünf Grad oder was auch immer da ist, dann ist das natürlich schon ein kleiner Kontrast“, sagte Baku und ergänzte: „Ich habe da schon gespielt und weiß deshalb, was auf mich zukommt. Dem einen oder anderen bei uns wird man das auch noch mal sagen.“
Kampfspiele sind Leipzigs Schwäche
Spiele bei kampfstarken Teams in engen Stadien und unter hitzigen Bedingungen sind nicht gerade eine Stärke der Leipziger. Das zeigte sich zum wiederholten Mal am vorletzten Spieltag 2025, als man sich bei Union Berlin auf einen wilden Schlagabtausch einließ und verdient mit 1:3 den Kürzeren zog. Und auch in den Gastspielen beim kommenden Gegner präsentierten sich die Sachsen in der Vergangenheit stets anfällig, in drei Versuchen gab es deshalb noch nie einen Sieg. In den gemeinsamen Zweitliga-Jahren 2014/15 und 2015/16 verlor man jeweils mit 0:1, und das einzige Bundesliga-Aufeinandertreffen am Millerntor endete im September 2024 mit einer glanzlosen Nullnummer.
„Das wird ganz unangenehm, vor allem auch wegen der Fans“, prophezeite Baku, dessen Bilanz am Millerntor gleichfalls trübe und sieglos ist. Sein einziges Gastspiel am Millerntor, im Oktober 2024 mit dem VfL Wolfsburg, endete gleichfalls mit einem 0:0. „Wir müssen die Leichtigkeit, die wir in den ersten Spielen hatten, wieder auf den Platz bringen. Wenn wir das schaffen, dann weiß man, wozu wir im Stande sind. Und dann denke ich auch, dass wir das Spiel gewinnen können“, lautet sein Rezept.
„Da haben wir uns den Schneid abkaufen lassen“
Die Partie bei Union Berlin am 12. Dezember konnte Baku nur am Fernseher verfolgen, eine Syndesmoseverletzung hatte ihn ausgebremst. „Da haben wir uns ein bisschen den Schneid abkaufen lassen. Vielleicht wussten wir auch noch nicht so, wie Union spielt“, sagte der Rechtsverteidiger im Rückblick. Anders als damals ist er jetzt wieder fit und auf der rechten Seite anstelle des an der alten Försterei überforderten Kosta Nedeljkovic erste Wahl.
Saisonziel hochgeschraubt: Champions League
Nachdem zu Saisonbeginn vom Klub die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb als Saisonziel ausgegeben worden war, reicht dies nach dem Überwintern auf Platz vier zumindest Baku nicht mehr. „Am Ende des Tages wollen wir da stehen, alles andere wäre eine massive Enttäuschung“, sagte er – und er machte umgehend klar, dass er da für die gesamte Mannschaft spricht: „Jeder will Champions League spielen, deswegen ist jeder hergekommen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, das für uns zu drehen und werden alles tun, auch wieder Champions League spielen zu können.“
Ein Sieg beim FC St. Pauli hätte da zu Beginn der englischen Woche mit den folgenden Heimspielen gegen den SC Freiburg und Bayern München richtungsweisenden Charakter. Eine Niederlage allerdings ebenso.
