Kristoffer Lund gelingt beileibe nicht alles, doch der Linksverteidiger des 1. FC Köln steht für Kampf und Kampfgeist. Qualitäten, die Trainer Lukas Kwasniok schätzt. Auch, weil die Leihgabe bemerkenswerte Extrarunden dreht.
FC-Leihgabe zeigt Kampfgeist
Als Kristoffer Lund in der 86. Minute der Partie gegen den VfL Wolfsburg vom Feld durfte, war er hinüber. Trotz Krämpfen hatte sich der Linksverteidiger bis zuletzt in jedes Duell geworfen, war gerannt wie ein Verrückter – und wurde dann kurz vor Schluss beim 1:0-Sieg erlöst. „Ludi hat sich aufgeopfert“, fand auch Kölns Trainer Lukas Kwasniok, der zugab: „Er ist topfit, aber konnte am Ende auch nicht mehr so dagegenhalten. Das war tough.“
Der Geist, den Lund verbreitet
Das war es, und mit seiner Leistung (kicker-Note 2,5) hatte Lund durchaus ordentlichen Anteil am sechsten Kölner Saisonsieg. Erst wehrte sich Lund gegen Lovro Majer und Christian Eriksen, dann gegen die frisch eingewechselten Adam Daghim und Kento Shiogai. 19 Zweikämpfe bestritt der 23-Jährige in dieser Partie, nur Rechtsverteidiger Alessio Castro-Montes kommt beim FC auf eine ähnliche Zahl. Lund gewann 58 Prozent seiner Duelle, ein solider Wert.
Alles gelang ihm natürlich nicht, Lunds Spiel ist oft auch eines voller Risiko. Er attackiert hoch, manchmal zu hoch, und öffnet dadurch Räume in seinem Rücken. Zweikämpfe sind bei Lunds Beteiligung oft ein Ritt auf der Rasierklinge, nicht selten können Gegner auf seiner Seite empfindlich in die Tiefe vorstoßen. Andererseits sorgt das hochaggressive Spiel des Dänen für Druck nach vorne, immer wieder kreiert er hoch aufgerückt Überzahlsituationen. Qualitäten, die Kwasniok schätzt.
Nicht ohne Grund baut der 44-Jährige deswegen oft und gern auf den im Sommer aus Palermo geliehenen Linksfüßer. „Er ist jemand, den haben wir aus der Serie B geholt und wussten: Der hat das Herz am rechten Fleck“, schilderte der Coach und erzählte eine Anekdote, die Lunds Arbeitsmoral verdeutlicht: „Es gab Phasen, da ist er nach Auswärtsspielen, nachdem wir spätabends heimgekommen sind, mit Ragnar Ache aufs Laufband gegangen. Das ist seine Arbeitseinstellung. Ragnar ist vorwärtsgekommen, Lundi ist vorwärtsgekommen. Das ist der Geist, den sie hier in dieser Mannschaft verbreiten.“
Kwasnioks Antwort auf die Sinnfrage
Daran gibt es in der Tat keine Zweifel: Im Schnitt stehen bemerkenswerte 11,48 Kilometer Laufleistung in seiner Statistik, dazu herausragende 35,11 km/h Spitzengeschwindigkeit. Dass Lund immer wieder auch Fehler passieren, weiß Kwasniok. Aber in der Entwicklung ist es eingepreist. „Es freut mich bei Spielern, die nicht technisch ganz sauber sind und bei denen nicht alles perfekt läuft, wenn sie kleine Fortschritte machen“, sagte er.
Lund ist da gewissermaßen das Sinnbild für die Entwicklung des FC in dieser Saison: nicht immer perfekt, aber mit Leidenschaft dabei. „Das ist der Sinn im Fußball und der Sinn im Leben“, führte Kwasniok aus. „Widerstände zu überwinden und sich zu belohnen. Man spürt, dass er besser wird. Mal ist der Schritt größer, mal kleiner. Aber er ist unverwüstlich und ein feiner junger Mann.“
Und womöglich einer, der in Köln bleiben könnte. Für den Sommer sicherten sich die Geißböcke eine Kaufoption im niedrigen einstelligen Millionenbereich.
