Aus dem erhofften großen Schritt Richtung Rettung wurde lediglich ein Schrittchen – weil der Hamburger SV in der ersten Hälfte gegen Augsburg nicht in Tritt gekommen ist, nach dem Ausgleichstreffer zum 1:1 Verteidiger Miro Muheim in Anton Kade stolperte und durch den Platzverweis die Angriffsmaschinerie stoppte.
Glatzel-Comeback mit Vorlage beim 1:1 gegen Augsburg
Miro Muheim hatte die letzten rund 25 Minuten am TV-Bildschirm in der Kabine verfolgt, machte seinen dezimierten Kollegen ein Kompliment für den Kampf gegen die Augsburger Übermacht („Da haben wir das gezeigt, was uns in dieser Saison stark macht“), haderte aber auch mit dem Endergebnis. „Wir hatten uns mehr als ein 1:1 vorgenommen.“ Einem möglichen Sieg im Wege stand neben seinem Platzverweis („Ich will vorher den Ball klären, dann stolpere ich in meinen Gegenspieler hinein“) auch eine schwache erste Hälfte.
Polzin lobt: „Bobby hilft uns als Wandspieler“
Merlin Polzin hatte auf die Ausfälle von Nicolai Remberg (Gelbsperre) und weiterhin Nicolas Capaldo (Bauchmuskelblessur) mit einer offensiven Variante im Mittelfeldzentrum reagiert: In Albert Sambi Lokonga und Fabio Vieira brachte er seine beiden besten Fußballer im Mittelfeldzentrum, dazu in Robert Glatzel den lange nicht berücksichtigten Zielspieler als Mittelstürmer. Über weite Strecken des ersten Durchgangs fehlte dem HSV jedoch Tempo und Tiefe. Polzin ehrlich: „Damit war ich nicht einverstanden, wir waren zu fahrig, hatten zu wenig tiefe Laufwege.“
Nach dem Wechsel drehte der HSV den Spielverlauf zunächst – und profitierte auch von Glatzel, der als Vorlagengeber für Ransford Königsdörffer in Erscheinung trat. Polzin lobt: „Bobby hat sein klares Profil. Er hat es teilweise richtig gut gemacht, das Tor gut vorbereitet, er hilft uns als Wandspieler. Es war ein guter Auftritt.“ Und der endgültige Schlussstrich in der Causa Glatzel. Zur Erinnerung: Vor der Länderspielpause in Dortmund (2:3) hatte der Coach den Publikumsliebling aus dem Kader gestrichen, weil dieser via Hamburger Morgenpost seine Situation als Reservist beklagt hatte.
Nach Geldstrafe, Aussprache und Denkpause stürmte Glatzel am Karsamstag nun von Anfang an und sagt selbst: „Ich bin froh, dass ich einen wenig nachtragenden Trainer habe. Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, dass ich so schnell wieder von Anfang an spiele.“ Nach Muheims Platzverweis indes war Glatzels Auftritt und der zwischenzeitliche Hamburger Sturmlauf abrupt beendet. Mit Giorgi Gocholeishvili und Albert Gönbaek für den Mittelstürmer und Torschütze Königsdörffer nahm Polzin Wechsel vor, die vor allem Stabilität garantieren sollten.
Ein Trainer-Plan, der aufging. „Den Punkt“, sagt der 35-Jährige, „nehmen wir nach fast einer halben Stunde in Unterzahl mit. Er bringt uns auf unserer Reise wieder weiter.“ Aus den zurückliegenden sieben Partien errang der Aufsteiger nur einen Sieg – er nähert sich mit dem Zähler zu Ostern stotternd der Ziellinie.
