Eigentlich schien alles klar: Thomas Kessler sollte beim 1. FC Köln zum Geschäftsführer Sport aufsteigen, der neue Vorstand hatte das schließlich im Wahlkampf versprochen. Doch noch immer gibt es keine Einigung. Das bringt Zweifel auf.
Sportdirektor soll Geschäftsführer werden
Aus Kölns Trainingslager in La Nucia berichtet Jim Decker
Wenn man Thomas Kessler dieser Tage in Spanien sieht, wirkt der 39-Jährige gut gelaunt. Mit Jahmai Simpson-Pusey von Manchester City hat der Sportdirektor schließlich seinen ersten Wintertransfer eingetütet und womöglich bleibt der junge englische Verteidiger auch nicht die letzte Verpflichtung. Doch hinter den Kulissen dürfte es in Kessler gären, allerdings nicht nur in ihm. Denn die Verhandlungen zwischen ihm und dem Verein über eine Beförderung zum Sport-Geschäftsführer sind ins Stocken geraten.
Eine rhetorische Spitze im Interview
Dabei war eines der zentralen Wahlversprechen des im September neu ins Amt gewählten Vorstands um Präsident Jörn Stobbe ausgerechnet Kesslers Beförderung. Zwar beteuerten alle Beteiligten, man spüre keinen großen Druck. Vize-Präsident Ulf Sobek, im Vorstand zuständig für den Sport, betonte aber Anfang Dezember auf der ersten Pressekonferenz auch: „Wir haben aktuell einen sehr guten Austausch und wir sind wirklich auf einem guten Weg.“
Ein Monat später allerdings ist weiterhin nichts in Sachen Beförderung passiert. Im Interview mit Express, Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau sprach Sobek im Trainingslager zwar erneut von einem „guten Austausch“. Doch auf die Frage, ob auch jemand anderes für den Sport-Geschäftsführer-Posten in Frage käme, antwortete er auch: „Theoretisch natürlich ja.“ Immerhin verbunden mit dem Zusatz, diese Frage stelle sich im Moment aber ja gar nicht.
Eine rhetorische Spitze, die ins Bild passt. Denn Hinweise, dass eine Einigung zwischen Sobek als Klub-Repräsentanten und Kessler unmittelbar naht, vermittelt Sobek in dem Interview nicht mehr – ganz anders als noch vor wenigen Wochen.
Das Risiko steigt
Die Lage ist festgefahren. Und längst ist nicht mehr komplett ausgeschlossen, dass es in diesem Winter keine Einigung mehr in der Sport-Geschäftsführer-Frage gibt – im Gegenteil. Knackpunkt der Geschichte ist die Gehaltsfrage, denn die obersten Klubgremien sind derzeit offenbar nicht bereit, Kesslers Bezüge parallel zur steigenden Verantwortung im entsprechenden Verhältnis zu erhöhen.
Und das hat Gründe. Auch wenn es intern keinesfalls absolute Gegner einer Kessler-Beförderung gibt und man Kessler ein großes Potenzial bescheinigt, herrschen doch auch leise Zweifel daran vor, ob der Ex-Profi den Aufgaben als Geschäftsführer gewachsen ist. Erfahrung hat Kessler auf dieser Position schließlich noch nicht, allerdings sammelte er als Leiter Lizenzspieler durchaus Erfahrung im administrativen Bereich – und gehört als Sportdirektor auch bereits zur Geschäftsleitung des Aufsteigers.
Aber: Während die guten Leistungen der von ihm zusammengestellten Mannschaft am Saisonstart Kesslers Position deutlich stärkten, greift nun nach sechs Partien ohne Sieg der umgekehrte Effekt.
Eine Entscheidung könnte im Sommer fallen
Dass es Anfang Januar noch keine Einigung zwischen Sobek und Kessler gibt, muss nicht bedeuten, dass es so bleibt. Allerdings steigt das Risiko, dass die Gespräche scheitern oder zumindest in den Sommer verschoben werden, mit jeder Minute, in der es keine Einigung gibt. Gut möglich ist deswegen, dass die Verhandlungen zeitnah vertagt werden – und es erst im Sommer eine Entscheidung darüber gibt, ob Sobek und Co. das Wahlversprechen einhalten können.
Für Kessler dürfte sich im Tagesgeschäft dadurch nichts ändern, böses Blut würde es auch durch eine Aufschiebung nicht geben. Sein Vertrag als Sportdirektor läuft ohnehin noch bis 2027. Zeit genug für weitere Gespräche bleibt also.
