Wie gilt es eine Saison zu beenden, in der das eigene Team quasi sicher Vizemeister und schon aus sämtlichen anderen Wettbewerben ausgeschieden ist? BVB-Coach Niko Kovac hat diesbezüglich klare Vorstellungen – und unterstreicht die Bedeutung eines fehlenden Spielers.
Dortmund will trotz sicherer Lage nicht nachlassen
Mit den eigenen 64 Punkten befindet sich Borussia Dortmund sechs Spieltage vor Saisonende im Sandwich zwischen dem designierten Meister Bayern München (73) und den punktgleichen Verfolgern aus Stuttgart und Leipzig (jeweils 53). Gerade dank des arg späten und glücklichen 2:0-Erfolgs im Schwabenland am vergangenen Samstagabend darf der BVB mit ziemlicher Sicherheit schon von einer weiteren Champions-League-Saison ausgehen.
Dementsprechend ausgeprägte Euphorie sei laut Niko Kovac im Nachgang bei seinen Schützlingen erkennbar gewesen, wie der Trainer am Donnerstag auf der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) ausführte. „Das war schon so ein Spiel – sicherlich kein Highlight-Spiel, weil für beide Mannschaften ging es um viel -, nachdem sich die Jungs gefreut haben“, so der Coach. „Wir sind dadurch momentan sicherer Zweiter. Die Freude und die Begeisterung, auch weil die Jungs in den letzten Jahren in Stuttgart nicht so viel geholt haben, war dementsprechend groß.“
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Daraus nun allerdings den Schluss zu ziehen, die finalen sechs Aufgaben mit mehr Lässigkeit angehen zu können, sei laut Kovac nicht zulässig: „Das sollte uns für die kommenden Spiele gegen Leverkusen und Hoffenheim aus dem oberen Bereich weitere Motivation geben.“
Genauer: „Natürlich haben wir auf Leverkusen 15 Punkte, auf Hoffenheim noch mehr Vorsprung. Es ist aber weiterhin Ziel, die letzten Spiele zu gewinnen. Und dafür möchte ich die Spieler, die das erreichen können und sich im Training zeigen – hier kann sich auch immer jeder empfehlen -, einsetzen.“ Weitere Überlegungen, die eventuell schon Ausblick auf 2026/27 geben können, seien davon nicht ausgeschlossen: „Sollten wir am Ende drei, vier Spiele haben, die wir nicht mehr gewinnen müssen“, weil man auch rechnerisch sicher Zweiter ist, dann könne sich der Trainer durchaus auch Experimente vorstellen, zum Beispiel mit jungen und noch recht unerfahrenen Spielern. Das werde man aber erst dann sehen.
„Wir haben beim VfB sehr wenig Ballbesitz gehabt“
Vorerst müsse Leverkusen mit vollem Fokus angegangen werden – unabhängig vom 2:1 in der BayArena am 12. Spieltag oder dem bitteren 0:1 im Achtelfinale des DFB-Pokals Anfang Dezember. „Das Pokalspiel ist abgehakt“, stellte Kovac heraus. „Das war damals von uns ein gutes Spiel. Es sind zwei ebenbürtige Mannschaften, die sehr viel Qualität haben. Wir wissen, dass Leverkusen die Punkte braucht – und wir müssen dabei zusehen, die Waage auf unsere Seite zu ziehen. Das ist unser klares Ziel.“
Nachlassen aufgrund der stabilen Tabellenlage sei wie eingangs erwähnt nicht im Gedankengut. Vielmehr solle mit mehr Schwung im Vergleich zum Auftritt beim VfB (2:0), als der Doppelsturm mit Serhou Guirassy und Maximilian Beier (nur sechs Ballkontakte in den ersten 45 Minuten) quasi abgekapselt war vom Rest, agiert werden. Seine Angreifer kritisierte Kovac derweil übrigens nicht: „Wir haben beim VfB sehr wenig Ballbesitz gehabt. Da war es sehr nicht einfach für die Stürmer, überhaupt ins Spiel zu kommen. Deswegen ist es dann schwierig, die Stürmer anhand ihrer Leistung zu bewerten, das kann ich nicht. Wenn du nicht die Connection hast von hinten über das Mittelfeld zu den Stürmern, dann ist das einfach schwierig.“
Kovac unterstreicht die Bedeutung von Nmecha
Jenes Mittelfeld, dem der Verlust von Felix Nmecha (Bänderriss im Knie) sichtlich anzumerken war. Der deutsche Nationalspieler werde laut Kovac auch noch etwas fehlen: „Felix braucht noch seine Zeit, er ist aber auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass wir ihn diese Saison noch sehen können.“ Dies sei aber nicht in Stein gemeißelt, „es ist mein Wunsch“. Zuletzt hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann gar um die WM-Teilnahme Nmechas gebangt.
In diesem Atemzug verschwieg der Dortmunder Trainer auch nicht die Wichtigkeit der Personalie Nmecha – und wie auch ein großer Verein wie der BVB solche Leistungsträger nur schwer aufzufangen weiß. „Felix ist gerade im Ballbesitz ein sehr wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft. Er hat die Gabe, enge Räume zu bespielen, weil er eine gute Vororientierung und eine gute technische Ausbildung hat“, führte der Coach aus. „Deswegen ist es schon schade, dass er nicht da ist. Die anderen müssen aber zusehen, das aufzufangen. Das ist sicherlich nicht einfach, weil Felix ein klasse Spieler ist. Und klar sind wir am Ende der BVB, aber der BVB ohne Felix ist ein anderer als mit.“ Das wollte Kovac an dieser Stelle bei all der weiteren Qualität im eigenen Kader nicht verschweigen.
