Bei Kölns Niederlage gegen Dortmund ließ sich auch Stadionsprecher Michael Trippel von den Emotionen leiten – und muss nun zum Rapport. Auch der DFB meldet sich in aller Deutlichkeit zu Wort.
Auch Kessler kündigt Nachspiel an
Die Schiedsrichter-Entscheidungen gegen Borussia Dortmund sorgten am Samstagabend nicht nur bei den Verantwortlichen des 1. FC Köln für reichlich Emotionen. Stadionsprecher Michael Trippel ließ sich während und nach der unglücklichen 1:2-Heimniederlage am Mikrofon zu wütenden Kommentaren hinreißen und zog damit den Unmut seines Vorgesetzten auf sich – und den des DFB.
„Pfui, widerlich“, hatte Trippel geschimpft, als Schiedsrichter Daniel Siebert in der Nachspielzeit der ersten Hälfte FC-Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey nach VAR-Eingriff doch die Rote Karte gezeigt hatte. Kurz nach dem Schlusspfiff brachte ihn dann zusätzlich auf die Palme, dass Siebert nach Yan Coutos Handspiel den Kölnern keinen Elfmeter gewährt hatte.
„Ich werde Ärger kriegen, aber ich sage es: In der Nachspielzeit gab es ein klares Handspiel eines Dortmunders, und das guckt sich noch nicht mal einer an!“, echauffierte sich der 71 Jahre alte Stadionsprecher, der bereits seit 1999 im Amt ist und nicht zum ersten Mal am Mikrofon deutlich wird.
Strafe droht: DFB hält Trippels Aussagen „für inakzeptabel“
„Das gefällt mir nicht“, rüffelte Thomas Kessler Trippel noch am Abend. „Es ist nicht richtig, dass ein Stadionsprecher im Rahmen eines Bundesliga-Spiels seine Emotionen über das Mikrofon preisgibt.“ Der Sport-Geschäftsführer des Effzeh kündigte ein Nachspiel an. „Da werden wir sicher im Nachgang drüber sprechen.“
Aller Voraussicht nach wird auch der DFB-Kontrollausschuss wegen eines groben Verstoßes gegen das Neutralitätsgebot gegen Trippel ermitteln. Ihm droht eine Geldstrafe oder gar eine Sperre. „Wir missbilligen die Äußerungen entschieden und halten sie für inakzeptabel“, erklärte die Sportliche Leitung der DFB Schiri GmbH am Sonntag auf kicker-Anfrage. „Unabhängig davon, ob eine Entscheidung des Schiedsrichters richtig, strittig oder falsch ist, kann und darf es nicht sein, dass ein Stadionsprecher sie negativ kommentiert und das Publikum so gegen den Unparteiischen aufbringt. Bei allem Verständnis für Emotionalität wurde hier eindeutig eine Grenze überschritten. Wir begrüßen es, dass der 1. FC Köln in Person seines Geschäftsführers Sport, Thomas Kessler, dazu deutliche Worte gefunden hat.“
Kessler kritisiert auch den VAR, Kwasniok reißt sich zusammen
Jener Kessler gab Trippel nur inhaltlich recht. „Wir haben heute zwei VAR-Interventionen gehabt. Einmal hat er richtig auf eine Rote Karte hingewiesen, einmal hat er darauf hingewiesen, dass es kein Elfmeter ist. Und warum er das dritte Mal nicht eingegriffen hat – ich glaube, das weiß nur er“, richtete Kessler klare Worte in Richtung Videoschiedsrichter Benjamin Cortus. „Das ist ein Elfmeter.“
Trainer Lukas Kwasniok hatte sofort lautstark beim Vierten Offiziellen protestiert, hinterher aber – anders als Trippel – zurückhaltend erklärt: „Für mich gibt es da nicht so viele unterschiedliche Bewertungen, zu denen man kommen kann. Ich möchte dem DFB trotzdem nicht den Gefallen tun und losledern. Dann muss ich bezahlen, und das macht keinen Sinn.“
