Luis Diaz und Michael Olise begeistern den FC Bayern – und stellen dabei Rekordzahlen auf. Das weckt Vergleiche, gegen die sich mancher noch wehrt.
Über Luis Diaz und Olise
Wie gut, dass Vincent Kompany Bayern-Trainer geworden ist. Jetzt kann man den ehemaligen Weltklasse-Verteidiger nämlich immer wieder fragen, wie man Weltklasse-Angreifer am besten stoppt oder warum das manchmal eben nicht gelingt.
So wie bei Kompany selbst, als der damalige ManCity-Kapitän es im Oktober 2013 gegen Thomas Müller, Arjen Robben und Franck Ribery versuchte. Alle drei Angreifer des FC Bayern erzielten damals, beim 3:1-Sieg der Münchner in Manchester, ein Tor und zerlegten Kompany und Kollegen teilweise nach Belieben.
Deshalb ist Kompany heute, rund zwölf Jahre später, lieber vorsichtig, wenn es um diese eine so urkomplizierte Frage in München geht: Hat der FC Bayern mit Michael Olise und Luis Diaz etwa endlich ein adäquates Flügelduo gefunden, das die großen Fußstapfen der Giganten Ribery und Robben ausfüllen kann? „Ich würde sie noch nicht vergleichen“, sagt Kompany und grinst. „Dafür habe ich zu viel Respekt für diese beiden Flügelstürmer, gegen die ich gespielt habe.“
Angestoßen darf die Debatte trotzdem werden, denn sowohl Olise als auch Luis Diaz bewegen sich derzeit auf einem Niveau, das die Bundesliga – allein was die Zahlen betrifft – so noch nicht gesehen hat. Der Franzose Olise steht nach 16 Spieltagen bei 20 Scorerpunkten (neun Tore, elf Assists), der Kolumbianer Luis Diaz bei 18 (neun Tore, neun Vorlagen).
Ergibt 38 direkte Torbeteiligungen, die Robben und Ribery zu diesem Zeitpunkt der Saison nicht mal ansatzweise matchen konnten (2013/14 waren es immerhin mal 24). Einzig die beiden Ex-Dortmunder Marco Reus und Jadon Sancho (Saison 2018/19, 32 Scorerpunkte) kommen als Flügelspieler historisch in die Nähe des Bayern-Duos, das mit einer fast schon unheimlichen Gier herausragt.
„Der kann irgendwie alles.“ (Wolfsburgs Kilian Fischer über Michael Olise)
„Wir haben den filigranen, eleganten, kreativen mit Michael“, erklärt Sportvorstand Max Eberl. „Und wir haben ein bisschen den kreativen Chaos-Maker mit Lucho.“ Also eine Flügelzange, „die außergewöhnlich ist, aber natürlich auch die Spieler, die sie in Szene setzen, die Systematik haben, dass die Spieler auch unbedingt eins gegen eins gehen können.“
Der Wolfsburger Verteidiger Kilian Fischer konnte einem selbst nach der 1:8-Klatsche am Sonntag noch leidtun, als er vor der TV-Kamera stand und irgendwie erklären musste, wie der Spätnachmittag im eisigen Fröttmaning so dermaßen in die Hose gegangen war. Was ja vor allem an Luis Diaz (ein Tor, drei Vorlagen) und Olise (zwei Tore, zwei Vorlagen) lag. „Der kann irgendwie alles“, sagte Fischer deshalb über Olise, um sich möglichst unauffällig aus der Affäre zu ziehen.
Das Fehlen von Luis Diaz fiel beim FC Bayern direkt auf
Weit daneben lag Fischer mit seiner Beurteilung nicht, immerhin ist es genau diese Vielseitigkeit, die Olise für gegnerische Abwehrspieler so unberechenbar macht. Er hat die Geschwindigkeit, um auf seiner rechten Außenbahn entlangzulaufen und mit dem vermeintlich schwachen rechten Fuß zu flanken. Er verfügt aber genauso über die technischen Fähigkeiten, nach innen zu ziehen und wie beim 3:1 ins lange Eck zu schlenzen. Oder als Zehner seine Mitspieler in Szene zu setzen. „Er beherrscht alle drei Phasen“, lobt der Profiteur Harry Kane und hebt Olises „football brain“ hervor.
Diaz dagegen ist ein bisschen was von allem und fast immer überall zu finden, ganz besonders da, wo es für den Gegner gefährlich wird. Wie sehr sein Fehlen den Bayern schmerzte, zeigte sich in London gegen den FC Arsenal (1:3) oder in der Liga gegen Mainz (2:2), Luis Diaz bringt andauernd Unruhe beim Gegner rein, kann auf die letzte Kette zudribbeln, vorbeiziehen oder noch einen Haken schlagen.
Kane fordert wie Kompany noch mehr ein
Genau diese Klarheit ist den Bayern in den vergangenen Jahren oftmals abhanden gekommen. Leroy Sané hatte herausragende Phasen, lieferte aber zu selten beständig auf dem höchsten Niveau. Kingsley Coman hat sich mit seinem Kopfballtor im Champions-League-Finale gegen Paris (1:0) unsterblich gemacht, aber auch aufgrund zahlreicher Verletzungen nie mal ein Top-Level konservieren können. Und Serge Gnabry macht immer wieder seine Törchen, war zuletzt ohnehin mehr als Zehner gefragt. Aber auch ihm fehlte zu oft diese Verbissenheit und Zielstrebigkeit, die Olise und Luis Diaz von Minute 1 bis 90 mit und gegen den Ball an den Tag legen.
„Es passt sehr, sehr viel zusammen“, urteilt Eberl deshalb zufrieden. „Das musst du auch haben, wenn du dann irgendwann im März wirklich in die entscheidenden Spiele gehst.“ Auch Kane freut sich über die „großartige Verbindung“ seiner Kollegen, fordert wie Trainer Kompany aber noch mehr ein. Robben und Ribery, sagt der Toptorjäger, „waren so besonders, weil sie es Jahr für Jahr wiederholt haben“.
Olise und Luis Diaz „sind auf dem richtigen Weg“, findet Kane. „Mit der Einstellung, die sie beide haben, können sie dieses Niveau erreichen. Wir werden beide brauchen, wenn wir dieses Jahr erfolgreich sein wollen.“ Und das wollen die Bayern natürlich unbedingt.
