Auf Alejandro Grimaldo möchte Kasper Hjulmand nicht verzichten – und tut dies auch nicht. Mit Folgen: Der Spanier ist überspielt und hat seine Topform verloren. Eine Alternative besitzt der Trainer nicht mehr. Auch selbst verschuldet.
Spanier wie Aleix Garcia überspielt
Er ist Bayers Schlüsselspieler. Als Taktgeber, als Kreativdirektor, als Flanken- und Vorlagengeber sowie als Standard- und Torschütze stellt Alejandro Grimaldo Leverkusens besten Profi dar. Ein Spieler, der aufgrund seines immensen Einflusses über die 90 Minuten sowie seiner spielentscheidenden Aktionen für Kasper Hjulmand unverzichtbar erscheint.
Durch die Dauereinsätze wirkt Grimaldo überspielt
Und deshalb setzt Leverkusens Trainer, wenn möglich, immer auf den 30-jährigen spanischen Nationalspieler. 20 Scorerpunkte hat dieser wettbewerbsübergreifend in dieser Saison bereits beigesteuert. Allein dieser Fakt erklärt, warum Hjulmand Grimaldo immer für die Startelf nominiert, der unter dem Dänen eine Hybrid-Rolle spielt.
Defensiv agiert der Linksfüßer als linkes Glied der Fünfer-Abwehrkette. Bei Ballbesitz stößt er hingegen auf die halblinke Zehnerposition im 3-2-4-1-System vor. Eine sehr laufintensive Aufgabe. Diese hat aber in Kombination mit Grimaldos Dauereinsätzen auch Schattenseiten, wie die jüngsten englischen Wochen belegen. So präsentiert sich Grimaldo nicht mehr in der ständigen Topform der Phase bis vor Weihnachten. Der Techniker wirkt vielmehr überspielt, macht den einen oder anderen von ihm ungewohnten leichten Fehler, agiert nicht mehr so dominant.
„In dieser Phase ist es nicht einfach, jeden dritten Tag immer wieder zu pushen.“ (Kasper Hjulmand)
Als Hjulmand jüngst darauf angesprochen wurde, hob er in erster Linie Grimaldos große Bedeutung für Bayer hervor und warb für Verständnis, dass der Spanier zuletzt nicht immer glänzte: „Er versucht alles, immer wieder im Training, in jedem Spiel geht er an die Grenze, versucht immer wieder, seinen Impact auf das Spiel zu haben. Er spielt jedes Spiel und – Sie sind alle intelligente Menschen – in dieser Phase ist es nicht einfach, jeden dritten Tag immer wieder zu pushen. Seine Mentalität ist top top top.“
Eine Pause wollte Hjulmand dem Spanier bislang nicht gönnen. Inzwischen kann er es auch nicht mehr. Denn nachdem der Trainer Links- und Innenverteidiger Jeanuel Belocian nach dessen schwachen Auftritt beim 1:4 gegen Stuttgart (kicker-Note 6) beim Wiederauftakt nicht mehr berücksichtigte, drängte der junge Franzose auf einen Wechsel und spielt nun auf Leihbasis beim VfL Wolfsburg.
Nach Arthurs Ausfall fehlt Hjulmand eine Option links hinten
Nachdem sich jetzt der auch links einsetzbare Rechtsverteidiger Arthur (Syndesmoseriss) verletzte, hat Hjulmand keinen Akteur mehr, der – egal ob in einer Fünfer- oder einer Viererkette – die linke Außenposition anstelle Grimaldos besetzen kann. Auf diesen zu verzichten, ist nun rein personell betrachtet kaum mehr möglich. Doch durch die Dauereinsätze im Drei-Tage-Rhythmus kommt der Spanier auch nicht mehr oder nur selten als sein Leistungsmaximum heran. Eine Zwickmühle, die sich Hjulmand zu einem gewissen Grad auch selbst geschaffen hat.
Denn auch mit vorhandenen Alternativen tut sich Hjulmand schwer, seinen Schlüsselspielern die nötigen Pausen in den fortlaufenden englischen Wochen zu verordnen. So gönnte der 53-Jährige erst am Samstag beim 1:1 gegen Mainz Mittelfeld-Stratege Aleix Garcia eine Ruhepause, nachdem dieser zuletzt noch tiefer in ein Leistungsloch gefallen war als sein Landsmann Grimaldo.
Trotz Alternativen gab Hjulmand auch Aleix Garcia lange keine Pause
Trotz durchaus vorhandener anderer Optionen (Palacios, Fernandez, Maza) musste auch Aleix Garcia immer ran. Und selbst dessen Pause gegen Mainz war neben der hohen Belastung auch einem besonderen Umstand geschuldet, wie Hjulmand erklärte. War der Spanier doch gerade Vater geworden.
Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass das Formtief der beiden fußballerischen Feingeister nicht zwingend Zufall ist. So absolvierte Aleix Garcia bei Bayer 04 die meisten und in der Liga die drittmeisten Spielminuten aller Feldspieler (nur die Freiburger Eggestein und Ginter waren noch länger im Einsatz). Grimaldo, der durch die unter Hjulmand nochmal verschärfte Hybrid-Rolle noch mehr läuft und laufen muss als unter Xabi Alonso, folgt vereinsintern auf Platz 2.
Nach Formverlust droht nun erhöhte Verletzungsgefahr
Angesichts von ab Mittwoch sechs Partien in den nächsten 18 Tagen, darunter die gigantischen Herausforderungen mit den zwei Spielen gegen den FC Arsenal im Achtelfinale der Champions League und gegen Bayern München in der Bundesliga, bieten sich besonders Grimaldo keine natürlichen Verschnaufpausen. Während der Formverlust bei diesem bereits sichtbar ist, erhöht sich so zudem das Verletzungsrisiko.
Hjulmand muss also sehen, wie er aus dieser Zwickmühle herauskommt. Denn ein überspielter Grimaldo hilft ihm nicht annähernd so sehr, wie es der Nationalspieler unter dosierter Belastung könnte. Und dass ein verletzungsbedingter Ausfall des Edelkickers für Bayer den GAU darstellen würde, ist dem Trainer ebenfalls bewusst.
