Die übliche Nettospielzeit einer Bundesliga-Begegnung liegt bei knapp 57 Minuten, die Bruttospielzeit bei knapp 100. Was passiert also in den restlichen 43 Minuten? Wie eine durchschnittliche Partie aussieht, wenn man sie in ihre Einzelteile zerlegt.
Über die Anatomie eines Fußballspiels
Um ein Fußballspiel zu sehen, scheuen viele Zuschauer weder Kosten noch Mühen. Sie nehmen lange Anreisen und langes Anstehen in Kauf, bisweilen auch schlechtes Wetter. Nachvollziehbar, dass sie dabei möglichst oft den Ball in Bewegung sehen wollen. Zwar sorgen Teile des Anhangs mitunter selbst für Spielpausen, weil sie Tennisbälle werfen, Pyrotechnik zünden oder über das Spielfeld flitzen, das ist aber die große Ausnahme.
Einwürfe nehmen über zehn Minuten von der Uhr
23.088 Spielunterbrechungen gab es bisher in dieser Bundesliga-Saison. Die meisten resultierten daraus, dass der Ball ins Seitenaus befördert wurde. Im Schnitt passiert das den beiden Mannschaften auf dem Platz 39-mal in einer Bundesliga-Partie. Das kostet Zeit. Im Schnitt zehn Minuten und 24 Sekunden ist der Ball nicht im Spiel, bevor wieder eingeworfen wird. Länger dauern diese Pausen vor allem dann, wenn sie dazu genutzt werden, einen Wechsel zu vollziehen.
Fliegt der Ball ins Toraus, geht noch mehr Zeit von der Uhr. Auf sieben Minuten und 12 Sekunden summieren sich die Unterbrechungen vor Abstößen, auf fünf Minuten und 28 Sekunden vor Ecken. Nicht immer geht es so schnell, wie beim Nations-League-Auftritt der DFB-Elf gegen Italien im März 2025 (3:3). Damals warf ein aufmerksamer Balljunge bei einem Eckball schnell Joshua Kimmich das Spielgerät zu, während sich die italienische Defensive noch im Tiefschlaf befand. Kimmich bediente umgehend Jamal Musiala, der die Squadra Azzurra mit dem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 wieder aufweckte.
77 Sekunden Wartezeit vor direkten Freistößen
Am meisten Zeit verrinnt bei Freistößen. Diskussionen mit dem Schiedsrichter, VAR-Checks, Verletzungsbehandlungen, das Mauerstellen, im schlimmsten Fall Rudelbildungen, all das nimmt 14 Minuten und sechs Sekunden in Anspruch. 24 Vergehen zeigt ein Unparteiischer üblicherweise pro Partie an. Ist der HSV mit von der Partie, können es diese Saison auch mal mehr sein. Bei indirekten Freistößen ist der Ball im Schnitt 34 Sekunden aus dem Spiel, bei direkten Freistößen sogar 77.
Nicht jede Spielpause ist ein Ärgernis, im Gegenteil. Schließlich pilgern Woche für Woche Tausende von Fans in die Stadien, weil sie auf eine bestimmte Unterbrechung hoffen: auf Tore. 774 Treffer fielen in dieser Saison, das macht 3,19 pro Spiel. Durchschnittlich werden die Tore einer Partie drei Minuten und 50 Sekunden lang bejubelt, ehe wieder angestoßen wird. Dass die Auftritte der Bayern den Schnitt anheben, versteht sich bei bisher 122 Treffern auf beiden Seiten von selbst.
Lange Pausen vor Strafstößen
Statistisch weniger ins Gewicht fallen Elfmeter. Nicht mal eine Minute machen sie in einer durchschnittlichen Partie aus. Das liegt freilich auch daran, dass nur etwa in jeder dritten Partie auf den Punkt gezeigt wird. Wird aber ein Strafstoß verhängt, vergehen bis zu dessen Ausführung im Schnitt 144 Sekunden.
Meistens ist der Ball beim Elfmeter nur wenige Millisekunden danach direkt wieder aus dem Spiel. Und dann ist wieder der Moment gekommen, für den die Menschen ein Fußballspiel besuchen. Dann darf der Ball gerne ruhen und die Freude freien Lauf nehmen.
