Der Stellenwert von Said El Mala für den 1. FC Köln ist in dieser Saison nicht hoch genug einzuschätzen. Dass der 19-Jährige nun auch per Kopf trifft und für seine Defensivarbeit gelobt wird, macht ihn immer wertvoller.
Neue Taktik, warme Worte
Wenn man sich die ganze Partie anschaue, fand Said El Mala, hätte der 1. FC Köln auch drei Punkte mit nach Hause nehmen können. „Wir waren die bessere Mannschaft“, resümierte er die Leistung beim 1:1 gegen den Hamburger SV und lag damit voll auf einer Linie mit seinem Cheftrainer Lukas Kwasniok. Nur richtig etwas aus der Überlegenheit auf dem Platz machten die Geißböcke nicht, fand auch El Mala: „Wir waren heute im letzten Drittel nicht so gefährlich und ein bisschen unsauber.“
Er selbst konnte sich davon nicht freimachen, denn sein schöner Antritt über die linke Seite inklusive Schlenker ins Zentrum und wuchtigem Abschluss blieb in der 26. Minute ohne Erfolg. Jordan Torunarigha brachte seinen Kopf in den Schuss, es war eine der wenigen richtig gefährlichen Aktionen der Partie.
Das erste Kopfballtor im Profibereich
Dann kam er doch noch zu seinem neunten Saisontreffer – und zwar auf richtig El-Mala-untypische Art: Am zweiten Pfosten köpfte der 19-Jährige nach einer Ecke frei ein. Ein Standardtor der schlechtesten Standard-Mannschaft der Liga, überhaupt erst das zweite Tor nach einer Ecke in dieser Saison. Und El Malas erstes Kopfballtor im Profibereich überhaupt.
„Wir haben das Thema schon länger, arbeiten aber gut daran“, sagte der Kopfball-Debütant und verriet: „Wir wussten, dass Hamburg am zweiten Pfosten nicht so stark ist. Es war meine Aufgabe, dahin zu laufen, dann musste ich nicht mehr viel machen, sondern nur noch den Kopf hinhalten.“ Ein Treffer mit Vorgeschichte also, das lobte auch Kwasniok. „Es war ein Co-Trainer-Tor“, betonte der 44-Jährige, in dessen Trainerteam sich Assistent Rene Wagner und Videoanalyst Dennis Huckstein um die Standardsituationen kümmern.
„Die ausübende Gewalt war Said“, sagte Kwasniok und wurde grundsätzlich: „Hinten am zweiten Pfosten wird das Geld verdient. Das sind einfache Tore.“ Die allerdings fehlten dem FC viel zu lange, im Februar wurde deshalb auch Co-Trainer Hannes Dold, der bis dahin die Standards verantwortete, von diesen Aufgaben abgezogen. Nun kümmert sich Wagner federführend um das Verhalten bei ruhenden Bällen – offenbar mit Erfolg.
Er geht die Schritte, die er gehen muss
Dass ausgerechnet El Mala der Vollstrecker war, dürfte alle Beteiligten freuen, denn bislang war der 1,90 Meter große Angreifer nicht als Kopfballungeheuer bekannt. Doch der Dribbler beweist Woche für Woche Lernfähigkeit und belohnte sich mit dem vorgesehenen Lauf an den zweiten Pfosten. „Said hat das zu 100 Prozent umgesetzt“, sagte Kwasniok und hob hervor: „Das ist ein Entwicklungsschritt.“
Das gilt derweil auch für die Arbeit gegen den Ball, die nicht nur Kwasniok, sondern auch Bundestrainer Nagelsmann zuletzt im kicker-Interview bemängelt hatte. „Er hatte schon immer die Bereitschaft, auch gegen den Ball zu arbeiten“, sagte Kwasniok. Es sei normal, dass sich El Mala nicht nur auf seine offensiven Fähigkeiten verlassen könne, „wenn er sich in der Bundesliga etablieren und den nächsten Schritt gehen will“.
Dass El Mala diese Schritte Woche für Woche geht, ist nicht zu übersehen. Auch von kleineren Turbulenzen in der Formkurve lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Und: Nerven zeigt der Rechtsfüßer kaum. Seit dem Hinrunden-4:1 gegen den HSV bewahrte er den 1. FC Köln fünfmal mit seinen Treffern vor einer Niederlage – die Lebensversicherung des Aufsteigers heißt Said El Mala.
