Das Trainings-Comeback des Kapitäns am Dienstag hatte für eine Überraschung gesorgt und wurde noch als Testlauf deklariert, tags darauf aber überraschte auch Alexander Blessin: St. Paulis Trainer rechnet mit Jackson Irvine im Derby-Kader.
St. Paulis Trainer setzt auf seinen Kapitän
Die Bedeutung des bevorstehenden Stadt-Duells gegen den Nachbarn HSV, den er konsequent „Hamburg“ nennt, will Blessin nicht kleinreden. Die seines Kapitäns ebenfalls nicht. Und deshalb scheint der Coach wild entschlossen, den Australier für den Freitagabend zu nominieren, obwohl er noch vor genau einer Woche ganz anders geklungen hat.
„Ich gehe davon aus, dass er dabei sein wird“
Nach dem 1:2 in Wolfsburg saß Blessin am vergangenen Mittwoch ohnehin schon mit zerknirschter Miene auf dem Podium im Presseraum der Volkswagen-Arena. Als dann auch noch die Frage nach Irvine aufkam, wurden seine Lippen zu einem noch schmaleren Strich. „An seinem operierten Fuß ist wieder etwas aufgebrochen, wir werden in den kommenden Tagen etwas dazu herausgeben.“ Auf die Anschlussfrage, ob St. Pauli für das zentrale Mittelfeld nun nachlegen müsse, sagte der 52-Jährige: „Wir halten Augen und Ohren offen.“
Irvines aufgetretenen Probleme am im vergangenen Jahr operierten linken Fuß hatten das Potenzial, die gesamte Stimmung auf St. Pauli zu dämpfen. Zu offensichtlich war, dass der Stabilisierungsprozess ab dem Spätherbst nach zuvor neun Niederlagen in Folge vor allem mit seiner Rückkehr einhergegangen war, nachdem im Sommer erste Abgesänge auf den Australier formuliert worden waren: Das „neue St. Pauli“ schien spielstärker, frischer, ehe die große Krise und das noch größere Stabilitätsproblem einsetzte. „Jacko“, sagt Routinier Hauke Wahl, „hat nach seiner Rückkehr alle Kritiker Lügen gestraft. Er ist unfassbar wichtig für uns.“ Und scheint nun, geradezu unfassbar schnell, zurück.
„Noch“, bremst Blessin, „sind wir in der Testphase. Wir müssen sehen, wie sein Fuß reagiert.“ Dann pustet der Trainer einmal durch und drückt im nächsten Atemzug aufs Tempo: „Es kann gut sein, dass er am Freitag im Kader steht. Ich gehe davon aus, dass er dabei sein wird.“ Der gebürtige Stuttgarter geht sogar noch einen Schritt weiter und deutet einen möglichen Einsatz an: „Ich schließe gar nichts aus. Jacko ist einer, der innerhalb einer kürzeren Pause nicht viel verliert.“
Wirklich realistisch aber scheint ein Platz im Aufgebot und damit zunächst auf der Bank. Und schon in dieser Rolle, verdeutlicht Blessin, ist ihm der 32-jährige Anführer kostbar. „Ich bin froh, wenn er dabei ist. Er ist extrem wichtig, selbst dann, wenn wir ihn einfach nur in der Kabine dabei haben.“ Denn eine Rolle ist für Irvine bereits reserviert: Er wird vor dem Duell gegen den HSV die letzte Ansprache an die Mannschaft halten, und Blessin weiß: „Er wird wie immer die richtigen Worte wählen.“
