Seit Edmond Tapsoba ausfällt, hat sich die linke Innenverteidiger-Position zur neuralgischen Stelle entwickelt. Kasper Hjulmand muss Talent Jeanuel Belocian, das beim 1:4 gegen Stuttgart neben sich stand, eine Perspektive aufzeigen. Es gibt gute Gründe für den Trainer, dies schon am Samstag im Schlüsselspiel gegen Bremen zu tun.
Bayer-Trainer hofft auf Tapsoba im Pokal
Es war eine Wasserstandmeldung, die viele Fans und auch auch viele Menschen im Klub aufatmen ließ. Kasper Hjulmand stellte am Freitag das Comeback von Edmond Tapsoba in „eineinhalb Wochen“ in Aussicht. Momentan trainiere der Abwehrspieler, der mit einem Muskelfaserriss vom vom Afrika-Cup zurückgekehrt war, individuell. „Vielleicht im Pokalspiel“, so der Trainer, sei ein Comeback möglich. Ob es für Leverkusens besten Spieleröffner unter den Innenverteidiger bis zur Partie gegen den FC St. Pauli im Viertelfinale des DFB-Pokals am 3. Februar reicht, „wissen wir noch nicht“, so Hjulmand, der seine Hoffnung darauf allerdings klar formulierte.
Mit Tapsobas Rückkehr sollen auch die Leverkusener Probleme in der Spieleröffnung gegen ein aggressives gegnerisches Pressing verschwinden, die für den Werksklub bei den drei Niederlagen in diesem Kalenderjahr ein gravierendes Manko darstellten. Am Samstag gegen Werder Bremen wird Bayer diese Schwäche mit einer anderen Besetzung auf der linken Position der Dreierabwehrkette abstellen müssen.
Links in der Dreierabwehrkette lag zuletzt ein neuralgischer Punkt
Diese hat sich in Tapsobas Abwesenheit zum neuralgischen Punkt entwickelt. Am Dienstag bei der 0:2-Niederlage am Dienstag bei Olympiakos Piräus in der Champions League zeigte sich dort Rechtsfüßer Loic Badé (kicker-Note 5,5) nicht auf der Höhe und war an beiden Gegentreffern in der Entstehung entscheidend beteiligt. Beim 1:4 zum Wiederauftakt gegen den VfB Stuttgart hatte Jeanuel Belocian einen katastrophalen Tag als linkes Glied der Dreierkette erwischt (kicker-Note 6).
Seitdem war der junge Franzose außen vor, was Einsatzzeit betrifft. Und das, obwohl er der einzige Linksfüßer im Kader ist und somit der eigentlich logische Tapsoba-Ersatz. Doch wenn der 20-Jährige selbst jetzt nicht mehr das Vertrauen des Trainers geschenkt bekommt, stellt sich die Perspektive der französischen U-21-Nationalspielers nicht rosig dar.
Wann soll Belocian spielen, wenn nicht jetzt?
Nach seinem Kreuzbandriss vor einem Jahr hatte Belocian im Dezember in den Partien bei Manchester City (2:0) und in Leipzig (3:1) durchaus ordentliche Leistungen gezeigt. Soll er nun seine alte Leistungsstärke wieder erlangen, benötigt er Spielzeit. Wann soll er diese bekommen, wenn nicht jetzt?
„Wir haben jetzt vier Spieler für die drei Positionen“, rechnete Hjulmand am Freitag vor, „wir haben sehr viele Spiele und manchmal brauchen die drei, die jetzt spielen, vielleicht ein bisschen Ruhe. Aber wir sehen morgen, wer spielt. Jeanuel hat Möglichkeiten.“ Nach Hjulmands Worten klingt dies eher danach, dass Belocian trotz Tapsobas Fehlen nur im Rahmen der Rotation aushelfen darf.
Badé droht für das Frankfurt-Spiel eine Gelb-Sperre
Doch es gibt neben dem misslungen Experiment mit dem zentralen Innenverteidiger Badé als linkes Glied der Dreierkette ein weiteres Argument, dass für Belocians Nominierung gegen Werder spricht. Und auch dieses hängt mit seinem Landsmann Badé zusammen. Denn dieser wurde bereits viermal verwarnt, und muss bei der nächsten gelben Karte in der Liga eine Sperre absitzen.
Dieses Risiko sollte Hjulmand vor dem am Samstag nächster Woche in Frankfurt anstehenden und als deutlich schwieriger einzuschätzenden Spiel gegen die Eintracht möglichst minimieren. Was mit einer Dreierkette (von rechts) mit Jarell Quansah, Robert Andrich und eben Belocian auch möglich wäre.
Setzt Hjulmand gegen Werder nicht auf Belocian, wäre dies ein klares Zeichen
Sollte Hjulmand dem Franzosen die Drucksituation gegen Werder nach drei Niederlagen und Belocians Blackout-Auftritt gegen Stuttgart nicht zutrauen, wäre dies für das Talent ein klares Zeichen. Zumal die folgenden Partien, Bayers Endspiel um einen Play-off in der Champions League gegen den FC Villareal, das Spiel in Frankfurt und danach die Pokal-Partie gegen St. Pauli kaum weniger Brisanz und Druck für den Werksklub in sich bergen.
