Ein verfrühtes Debüt und kaum Einsatzzeit: Der Start in Köln verlief für Alessio Castro-Montes alles andere als nach Plan. Doch der Belgier hat die Winterpause genutzt, sich in den Vordergrund gespielt und seine Form in der Liga bestätigt. Das freut nicht nur Ragnar Ache.
Nach schwierigem Start in Köln
Der Mann des Spiels beim 2:1 gegen Mainz war sicherlich Ragnar Ache. Doch auch der Doppel-Torschütze wusste, wem er einen großen Teil seines ersten Treffers zu verdanken hatte. „Seine Flanken sind einfach überragend“, schwärmte der Angreifer von Alessio Castro-Montes. „Wenn er den Ball hat, probiere ich immer, eine gute Position in der Box zu suchen.“
Am 18. Spieltag führte diese Kombination erstmals zum Erfolg. „Wir spielen ja nicht oft zusammen. Aber hoffentlich jetzt öfters“, sagte Ache, der gerne die eine oder andere weitere Flanke des Belgiers auf den Kopf bekommen würde. Ein Wunsch, der sicherlich auf Gegenseitigkeit beruht. „Ich kann gute Flanken schlagen. Und mit jemandem wie Ache müssen wir diese Bälle vor das Tor bringen“, gab Castro-Montes das Lob zurück.
Bedarf für einen neuen Schienenspieler gesenkt
Aus fünf Metern nickte Kölns Mittelstürmer die Kugel in der 57. Minute frei stehend unter die Latte, nachdem ihn Castro-Montes von rechts mit dem linken Fuß butterweich bedient hatte. Dass der Belgier, der vor der Pause noch die linke Schiene bespielte, auf beiden Seiten eine Hilfe ist, sei „das, was wir uns von ihm erhofft haben“, betonte Coach Lukas Kwasniok.
Und es ist das, was die Kaderplanung beim FC dieser Tage ein Stück erleichtert. Denn nach dem leihweisen Abgang von Jusuf Gazibegovic zurück zu seinem Ex-Klub Sturm Graz war es auf den Außenbahnen des Aufsteigers nominell dünn geworden.
Mit Kristoffer Lund links und Sebastian Sebulonsen rechts stehen lediglich zwei weitere gelernte Außenverteidiger im Kader. Dazu können Jan Thielmann, Jakub Kaminski oder auch Linton Maina etwas defensiver aushelfen, haben ihre Qualitäten aber eigentlich eine Reihe weiter vorne. Doch der Formaufschwung von Castro-Montes sorgt dafür, dass erst mal kein großer Druck besteht, nachzulegen. Das sah vor wenigen Wochen noch anders aus.
Kwasnioks Entschuldigung und kaum Spielzeit
Denn der Start in Köln verlief für den zwei Millionen Euro teuren Sommerneuzugang von Union Saint-Gilloise alles andere als glücklich. Kurz vor dem Ende des Transferfensters kam er als zusätzliche Option für die Schiene zum FC. Sein Debüt, beim spektakulären 3:3 in Wolfsburg, endete mit einer Entschuldigung von Kwasniok. „Ich habe etwas von ihm gefordert, was er in der Form gar nicht hat bringen können“, erkannte der Coach in der Nachbetrachtung. „Er ist gerade erst angekommen. Er hatte zwei Trainingseinheiten mit dem gesamten Kader und hat die Namen teilweise nicht gewusst.“
Also nahm Kwasniok den 28-Jährigen erst mal raus aus der Startelf. In den folgenden sechs Ligaspielen und beim Pokal-Aus gegen Bayern (1:4) musste Castro-Montes über 90 Minuten zuschauen, stand zweimal gar nicht im Kader. Auch seine drei weiteren Einsätze vor der Winterpause blieben glücklos. Für seinen längsten Auftritt, 45 Minuten in Bremen (1:1), gab es die kicker-Note 5.
Plötzlich wichtig
Doch der Wind hat sich gedreht. Castro-Montes spielte sich im Trainingslager in den Vordergrund und stand gegen Heidenheim gleich im Fokus. Beide Treffer legte er von der linken Schiene mit dem rechten Fuß auf, schaffte es so erstmals in die Elf des Spieltags (Note 2). Nach einer Pause gegen die Bayern folgte am Wochenende jener Assist Nummer drei, diesmal von der anderen Seite und mit dem anderen Fuß, der das Ende des Negativlaufs von acht sieglosen Spielen einleitete – und ihm in Kombination mit einem guten Auftritt erneut einen Platz in der Elf des Tages sicherte (Note 2,5).
„Er hat es im Trainingslager einfach gut gemacht“, betonte Sportdirektor Thomas Kessler. „Er ist ein guter Fußballer, das wussten wir, als wir ihn verpflichtet haben.“ Und das zeigt der Mann mit Europa- und Conference-League-Erfahrung nun auch auf dem Rasen. „Manchmal braucht der eine oder andere Spieler ein paar Wochen länger, um anzukommen“, erklärte Kessler. „Aber er hat Qualitäten, die uns helfen können.“
„Er ist ein Synonym für Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit.“ (Lukas Kwasniok)
Kwasniok bezeichnete „Monti“, wie er in Köln genannt wird, gar als „Synonym für Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit“. Dem Belgier selbst ist derweil nur eines wichtig: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich jetzt mehr Chancen bekomme zu spielen. Also zeige ich auf dem Platz, was ich kann.“ Das darf er nach Leistungen wie in Heidenheim und Mainz aller Voraussicht nach auch in den kommenden Wochen regelmäßig tun.
