Seit der Leukämie-Diagnose seiner Frau hat sich der Stellenwert des Fußballs im Leben von Eren Dinkci verändert. Der Sport ist „zum Anker“ geworden und dient zur Ablenkung. Gleichwohl hat der Offensivspieler klare Ziele.
Die Zukunftsfragen des Freiburgers
Aus Freiburgs Trainingslager in Schruns berichtet Moritz Kreilinger
Zurück in Freiburg. Ein halbes Jahr spielte Eren Dinkci zuletzt auf Leihbasis für seinen früheren Klub in Heidenheim. Dort stand der 24-Jährige wieder regelmäßig auf dem Feld und steuerte drei Tore sowie drei Vorlagen in 14 Einsätzen zum tapferen, letztlich knapp verlorenen Rennen gegen den Abstieg bei. Den wirklich wichtigen Kampf führt Dinkci seit einigen Monaten aber abseits des Rasens.
Mitte April hatte er sich gemeinsam mit seiner Frau in einem bewegenden Video an die Öffentlichkeit gewandt, deren Leukämie-Erkrankung publik gemacht und um Hilfe bei der Suche nach einer passenden Stammzellenspende gebeten. „Ihr geht es den Umständen entsprechend relativ gut. Es ist ein Auf und Ab. Sie steckt es weiter sehr gut weg und wir sind weiterhin sehr positiv, alles andere hilft in dieser Situation auch nicht“, berichtet Dinkci im Gespräch nach einer Trainingseinheit in Schruns.
Erfolgreiche Registrierungsaktion
Aus der gemeinsam von den Klubs aus Freiburg und Heidenheim initiierten Registrierungsaktion bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) haben sich laut Dinkci Spender gefunden, die „zu 90 Prozent passen würden“. Zunächst wird die Heilung auf Empfehlung der Ärzte aber noch mit einer anderen, für den Körper weniger belastenden, Therapie angestrebt.
Diese Situation rückt alle sportlichen Themen in den Hintergrund. „Priorität Nummer 1 ist nur, dass es ihr gutgeht.Ich kann mich gut ablenken mit dem Fußball. Das ist mein Anker, daran kann ich mich festhalten. Davor und danach sind die Gedanken bei ihr“, erklärt Dinkci.
Gleichwohl ist der Berufsalltag Profifußball für den Deutsch-Türken viel mehr als nur Mittel zum Zweck, Dinkci gibt im zweiten Anlauf beim SC Freiburg alles: „Wir haben sehr viel Qualität im Kader und noch einmal viel Qualität dazubekommen. Jetzt will ich einfach Gas geben und dann schauen, was passiert.“
Harter Konkurrenzkampf
Julian Schuster steht in der Offensive vor kniffligen Entscheidungen. Alle vier Positionen sind schon ohne Dinkci doppelt besetzt. Der gebürtige Bremer, der beim SC auch schon öfter auf der Zehn eingesetzt wurde, könnte dennoch gerade mit Blick auf die erneut drei Wettbewerbe eine wertvolle Option für Schuster darstellen.
„Es ist sehr gut, wie er sich diese Wochen präsentiert.“ (Klemens Hartenbach über Dinkci)
„Eren und wir bestreiten mit voller Motivation die Vorbereitung“, betont Sportdirektor Klemens Hartenbach. „Es ist sehr gut, wie er sich diese Wochen präsentiert. Wenn Eren bei uns bleibt, ist er, wie alle anderen Spieler auch, ein wertvoller Spieler für uns. Das ist die Basis, auf der wir gemeinsam weiterarbeiten.“
Welches Trikot Dinkci nach Transferschluss am 1. September tragen wird, ist also noch offen. Das grundsätzliche Interesse seines Ex-Klubs Werder Bremen ist zumindest verbrieft. Doch es spielt bekanntermaßen viel mehr in diese Entscheidung rein als nur die sportliche Perspektive: „Klar ist: Ich bin hier, habe einen Vertrag und meine Frau wird in der Klinik in Freiburg therapiert. Wir schauen mal, was in der Zukunft noch passiert.“
