Der letzte Spieltag, die große Chance und der Angstgegner: Gleich drei Serien setzt der SC Freiburg ein Ende und spannt sich ein Sicherheitsnetz vor dem großen Showdown in Istanbul.
Wird die kleine CL noch in die große verwandelt?
Emotionale Jubelschreie in Freiburg sind in diesen Tagen keine Seltenheit. Doch beschreibt nicht Ekstase auf den Rängen das Einzigartige in Freiburg, wie nach dem Einzug ins Finale der Europa League nach dem 3:1 über Braga am 7. April – oder die Freude des Teams nach dem 4:1 gegen Leipzig und dem Erreichen der Conference League. Es ist ein kurzer Moment in den Katakomben.
Klemens Hartenbach, der mit seinem Geschick als Sportdirektor und Chefscout den Klub seit vielen Jahren mitprägt, zeigt nur gelegentlich emotionale Ausbrüche. An diesem Samstag schreit der 61-Jährige aber ein sehr lautes „Ja!“ heraus. Nur dieses Wort, doch es ist zu spüren, wie sehr sich Anspannung in Erleichterung verwandelt.
Die Korken knallen noch immer bei 40 Punkten
Hartenbach, seit 2001 im Klub und seit 2013 an der Seite von Sportvorstand Jochen Saier verantwortlich für den sportlichen Bereich, hält es noch immer mit dem Credo Christian Streichs: Erst wenn die 40 Punkte voll sind und der Nichtabstieg gesichert, geht der Blick nach oben. Noch immer öffnet Hartenbach beim Erreichen dieser Marke mit einigen Mitarbeitern eine Flasche Sekt.
Die Freude ist auch wegen der tendenziell pessimistischen Denkweise so groß. Auch wenn der SC in den vergangenen Jahren dreimal an der Europa League teilnahm, ist auch die Conference League für Hartenbach, gerade mit Blick auf drei gespielte Wettbewerbe bis in den April oder Mai, ein riesiger Gewinn – und keinesfalls ein Rückschritt. Außerdem ist sie ein Sicherheitsnetz mit Blick auf Istanbul. Dass am Mittwoch der kleine CL-Wettbewerb noch erstmals gegen die große Champions League getauscht werden kann im Showdown mit Aston Villa, ist in der Welt von Hartenbach und Co. ohnehin: Wahnsinn und hart an der Grenze der Vorstellungskraft.
Diese Grenzen hat der Sport-Club aber längst verschoben – und erstaunlich oft an die Tür zur Königsklasse geklopft. Doch genauso oft glückte der ganz große Wurf an einem 34. Spieltag nicht. 2021/22 und 2022/23 war der Einzug in die Königsklasse möglich, wenn auch nicht aus eigener Kraft. 2024/25 lag das Erreichen der Champions League erstmals in der eigenen Macht – doch das direkte Endspiel gewann Frankfurt mit 3:1. Auch 2023/24 erwischte der Fluch des letzten Spieltags den SC und vermieste Streichs Abschied durch das Verpassen der Conference League.
Unheilvolle Serien nehmen ein Ende
Dieser Fluch ist gebrochen. Nach fünf Niederlagen in Serie zum Abschluss einer Bundesliga-Saison verabschiedet sich das Team wieder mit einem Sieg und erreicht ein Ziel. Und das gegen Leipzig, als Gegner nicht weniger verflucht. Keines der vergangenen 14 Duelle seit 2020 hatte der SC zuvor gewinnen können, darunter die bitteren Niederlagen im DFB-Pokal: 2022 im Finale erst im Elfmeterschießen, 2023 im Halbfinale. Die Freude darüber, diesen Gegner, der mit dem gesamten Konstrukt dahinter den völligen Gegenentwurf zum Freiburger Verein darstellt, mal wieder geschlagen zu haben, spielte sicher auch in Hartenbachs „Ja!“ rein.
Unterm Strich steht das vierte Europacup-Ticket binnen fünf Jahren – eine eindrucksvolle Bilanz. Der SC Freiburg mausert sich zum Dauergast auf der internationalen Bühne der UEFA-Wettbewerbe. Womöglich in wenigen Monaten ja erstmals in der Riege der absoluten Spitzenklubs.
